Vielsaitige Wege beschritten

Vielsaitige Wege beschritten

Wenn man in Bäckereien ein Festival-Brot bekommt, wenn Eisdielen eine Spezialität namens vielsaitig kredenzen, wenn ein besonderer Flammkuchen zum Festival gereicht wird, wenn Schau- und Hörlustige abends an der Kasse des Kaisersaales Schlage stehen, um noch ein Plätzchen in dem prächtigen Raum des Barockklosters St. Mang zu finden – dann ist in Füssen, dem Juwel des Allgäu, garantiert das Festival vielsaitig ausgebrochen!

Unter dem Motto »Wege« gab es auch dieses Jahr viele anspruchsvolle Konzerte mit Werken von u.a. Webern, Schostakowitsch und Janácek, woran der Pianist Matthias Kirschnereit, der Geiger Christian Tetzlaff und das Verdi Quartett ihre musikalischen Anteile hatten. Doch auch die unterhaltenden Saiten kamen nicht zu kurz: Hier machten das David Orlowsky Trio und vor allem die Swingin’ Gentlemen mit dem Peter Lehel Quartett und dem (inzwischen pensionierten) Traumschiffkapitän Siegfried Rauch von sich reden.

Die Festivalstimmung war in der ganzen Stadt zu spüren: bei den Vorträgen, dem Geigenbautreff und den musikalischen Teestunden, deren letzte wegen des übermäßigen Andrangs sogar in die Musikschule verlegt werden mußte – und endlich mündeten die diesjährigen Festspiele in eine mythologische Wanderschaft zu den »Chants du Sud et du Nord«, auf die Arianna Savall und Hirundo Maris ein restlos begeistertes Publikum mitnahmen. Mit der 93%igen Auslastung konnte der Veranstalter rundum zufrieden sein: Das ist der rechte Rückenwind für das kommende Festival, das es vom 2. bis 12. September 2015 ordentlich »baROCKen« läßt.

Aktuell

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    Neu bei You Tube: Das Trio panta rhei mit dem Mondbärchen
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    Gesellschaft Freunde der Künste

    Viele Kultur- und Lifestylethemen finden Sie auch auf der WebSite der »Freunde der Künste« zum Portal

Die CD-Empfehlung

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Der Neusser Händel-Hypothesen zweiter Teil

Ob sich hinter der pompösen Perücke und dem hart erarbeiteten Embonpoint, der grandiosen Geschäftstüchtigkeit und herzhaften Handgreiflichkeit, mit der man uns seit Urzeiten den harmonischen Grobschmied Georg Friedrich Händel darstellt, am Ende nicht doch ein feinsinniger, höchst sensibler Charakter, ein letztlich sehr angreifbares und daher oft rüpelhaftes Wesen verbarg? Dieser Frage widmen sich Matthias Kirschnereit und die Kammerakademie Neuss am Rhein unter der Leitung von Lavard Skou Larsen jetzt ein zweites Mal mit derart einleuchtenden Resultaten, daß wir kaum umhin können, die hypothetische Annahme mit einem vermutlichen Ja zu beantworten. Selbst, wenn einzuräumen ist, daß die historische Sachlage der Orgelkonzerte, die der wahrhaftige Angel=Sachse zur Erbauung seines Oratorienpublikums komponierte, sich weder mit einem Flügel aus dem Hause Steinway noch einem modern besetzten Begleitensemble vertragen will, so zerstiebt die Theorie doch schon nach wenigen praktisch ausgeführten Takten …

und so geht es weiter →