Konstanze Eickhorst

Die Pianistin Konstanze Eickhorst paßt in keine musikalische Schublade. Der Sieg bei den internationalen Wettbewerben »Clara Haskil« und »Geza Anda« eröffnete einer erfolgreiche internationale Karriere, in der die Kammermusik neben der solistischen und pädagogischen Tätigkeit seit jeher eine wesentliche Rolle spielt: Konstanze Eickhorst ist Mitglied des Linos Ensembles, das in wechselnden Formationen vom Duo bis zum Nonett konzertiert.

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»Nichts klingt oberflächlich oder zufällig. Die Phrasen wirken fein und sehr genau gestaltet und gleichzeitig so, als würden sie unmittelbar aus dem Gefühl des Moments heraus entstehen. In heiteren Passagen schwingt der Schmerz mit, und in wehmütigen Klagen spürt man gleichzeitig die Wonne« (NDR, 27.9.11).

Anderthalb Jahre sind vergangen, seit Konstanze Eickhorst mit ihrer bis dato jüngsten Solo-Produktion nicht nur die Fachwelt entzückte: Mozart in Moll war und ist eine ergreifende Auseinandersetzung mit dem Innenleben eines vermeintlichen »Götterlieblings«, der die finsteren Seiten möglicherweise besonders erschreckend erlebte, weil ihm die Himmel hätten offenstehen können – nicht bedeutend anders als seinem Schicksalsgefährten Franz Schubert, dem Konstanze Eickhorst (mit der wir seit nunmehr zwanzig Jahren zusammenzuarbeiten die Ehre haben) ihre neue Genuin-Einspielung gewidmet hat.

Das leuchtende Idyll, in dem wir uns gern behaglich mit einem Bande Adalbert Stifters niederließen; die verblüffende Fantastik eines durch alle Sonatenregionen ziehenden Gesangs, dessen kaleidoskopisch wandernden Wandlungen ein äußerst ordnungswilliger Geist zusammenhält; die über die Jahre hin verstreuten »Kalenderblätter« musikalisch gegensätzlichster Momente; und endlich die kraftvoll-trotzige Auseinandersetzung mit dem Übervater Beethoven: Das ist der Gegenstand des aktuellen Albums, mit dem Konstanze Eickhorst das neue Jahr einleitet, in dem wiederum viele renommierte Aufgaben auf sie warten – vom Juryvorsitz beim Lions Klavierwettbewerb über eine einwöchige Rußland-Tournee des Linos Ensembles bis hin zu einer Konzertreise nach Neuseeland zum »International Piano Festival New Zealand«.

FRANZ SCHUBERT
Wanderer-Fantasie C.760
Moment Musicaux D.780
Sonate in c-moll D.958
Konstanze Eickhorst, Klavier
GENUIN GEN 13289
VÖ: 1. Februar 2013, Vertrieb: NOTE 1 music GmbH

Mozart und die Melancholie des Moll

»Diese Musik ist vornehmlich geeignet zu rühren, indem sie der Seele melancholische Bilder vorführt und an die Leiden der liebenswürdigsten und zartesten aller Leidenschaften erinnert […] Bisweilen ist die Kraft von Mozarts Musik so groß, dass einem die Seele durch das Grenzenlose der heraufbeschworenen Vision urplötzlich von tiefster Schwermut ergriffen wird und sich darin verliert«: Der französische Dichter Stendhal (1783–1842) war einer der ersten, die den melancholischen Zug in Mozarts Musik beschrieben – eine Traurigkeit, die bei genauem Hinhören viel häufiger zu hören ist, als das die spielerische Attitüde des vermeintlichen Götterlieblings auf den ersten Blick vermuten läßt. Diesem »Mozart in moll« hat Konstanze Eickhorst ihre CD-Produktion von 2011 gewidmet.

Schwermut, Melancholie und – zumindest eingebildete – Todessehnsucht waren im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert unter den Mitgliedern gehobener Kreise gewissermaßen en vogue: Selbst der derbe Scherz Mozarts, der vor praktisch nichts und niemandem halt machte, war letztlich nur die Kehrseite einer Medaille, die immer sehr schnell umschlagen konnte: »Nur bisweilen habe ich so melancholische Anfälle, da komme ich aber am leichtesten davon durch Briefe die ich schreibe oder erhalte; das muntert mich dann wieder auf«, schreibt er am 31. Juli 1778 Vater Leopold.

Für die Mitte September erscheinende GENUIN-Einspielung hat Konstanze Eickhorst die Fantasien d-moll KV 397 und c-moll KV 475, die Sonaten a-moll KV 310 und c-moll KV 457 sowie das Rondo a-moll KV 511 miteinander kombiniert: Harsche, widerborstige Momente (KV 310) und echte Trauer (KV511), Leidenschaftlichkeit und Gefühlstiefe verraten einen Mozart, der das Motto aus dem Lande des Lächelns vorweggenommen hat – wie’s drinnen aussieht, geht niemand was an!

cover-mozart-in-moll

DIE EINSPIELUNG

WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756-1791)
Fantasien d-moll KV 397 und c-moll KV 475,
Sonaten a-moll KV 310 und c-moll KV 457,
Rondo a-moll KV 511
Konstanze Eickhorst, Klavier
GENUIN CD 11212, VÖ: 16.9.2011
(Vertrieb: Codæx)

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