Ingrid Marsoner

Die österreichische Pianistin Ingrid Marsoner ist mit einem musikalischen Einfühlungsvermögen gesegnet, wie man es in der jüngeren Generation nur selten findet. Ohne jede Larmoyanz weiß sie mit Franz Schubert zu bewegen, mit Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen strukturell-atmosphärische Wunder zu vollbringen, im konzertanten Wettstreit mit symphonischen Orchestern eine geradezu verblüffende Kraft zu entwickeln und dann wieder, wenn sie in die Feinheiten einer Mozart-Sonate oder einer modernen Impression eintaucht, die leisesten Nuancen so schwerelos zu differenzieren, daß die berühmte Grenze zwischen Tonkunst und Musik wieder einmal ihr Trennendes völlig verliert.

Mit elf Jahren wurde Ingrid Marsoner an die Grazer Musikhochschule aufgenommen, wo sie dank eines Martha-Debelli-Stipendiums bis zum Abitur bei dem Edwin Fischer-Schüler Sebastian Benda studieren konnte. Anschließend ging sie nach Wien zu der Moskauer Pianistenlegende Rudolf Kehrer. Bedeutende Anregungen fand sie auch in den Meisterkursen und Privatstunden bei Pianisten und Pädagogen wie Tatjana Nikolajewa, Jürgen Uhde, Paul Badura-Skoda und Alfred Brendel. Wettbewerbserfolge ließen nicht auf sich warten: Erste Preise beim Steinway-Wettbewerb und beim Wiener Jeunesse-Wettbewerb seien hier ebenso genannt wie der »Big Prize, awarded for a performance of an exceptional quality«, den die Künstlerin beim Young Artists Peninsula Music Festival in Los Angeles für ihre Interpretation der Schumannschen »Kreisleriana« erhielt.

Einer von denen, die aus der regelmäßigen Zusammenarbeit mit Ingrid Marsoner urteilen können, ist Klaus Maria Brandauer. Er schwärmt von der »tollen Musikerin, die sich völlig ihrer Kunst hingibt und mit dem Werk förmlich verschmilzt. Ich schätze sie als einfühlsame Pianistin, als expressive Künstlerin und als außergewöhnlichen Menschen«. Nicht unähnlich klingt es, wenn sich der Komponist Rick LaSalle äußert. »Der künstlerische Austausch mit Ingrid hat mich im wahrsten Sinne des Wortes aus einem ziemlichen ›KreaTief‹ herausgeholt: Als wir so nach und nach unser gemeinsames CD-Projekt mit drei Klaviersonaten in die Hand nahmen, entstand eine neue schöpferische Impulsivität, die sich recht bald in neuen Sachen niederschlug – unter anderem in dem Ragtimeden ich erst einmal gründlichst durchgebürstet und Ingrid dann gewidmet habe, ferner in einigen weiteren Sonatinen […] die Einspielung ist grandios geworden und hat, was mich besonders freut, auch für ›meine‹ Interpretin exzellente Rezensionen gebracht. Bussi!«

Zuvor waren bei Gramola bereits drei Aufnahmen mit Ingrid Marsoner erschienen, die von der internationalen Presse allesamt große Anerkennung erhielten: ihre Debüt-CD mit Schubert-Sonaten, danach Bachs Goldberg-Variationen sowie die erst kürzlich veröffentlichte Einspielung von Ludwig van Beethovens C-Dur-Konzert und Johann Nepomuk Hummels wahrhaftigem Gegenstück in der parallelen Molltonart mit dem Symphonieorchester Biel unter Leitung von Thomas Rösner.

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Hummels Flug & Beethovens Glanztat
Ingrid Marsoner spielt Klavierkonzerte

Zur Aufnahme ihrer jüngsten CD begab sich Ingrid Marsoner im Juni des vergangenen Jahres ins schweizerische Solothurn, um dort gemeinsam mit dem Symphonieorchester Biel/Bienne und dem Dirigenten Thomas Rösner ein konzertantes Doppel einzuspielen, das in einem extremen Spagat die beiden Seiten der deutsch-österreichischen Klassik berührt. Ludwig van Beethovens C-dur-Konzert und Johann Nepomuk Hummels wahrhaftiges Gegenstück in der parallelen Molltonart trennen nicht so sehr die zwanzig Jahre zwischen 1795 und 1815, die die jeweiligen Geburtsstunden der beiden Kreationen bezeichnen; vielmehr zielen die beiden konträren Persönlichkeiten in völlig entgegengesetzte Richtungen, um dabei aber gemeinsam das Spannungsfeld abzustecken, in dem wirkliche Entwicklungen überhaupt möglich sind. Hier der symphonisch-explosive „Titan“, der schon in seinem Opus 15 so viel von seinem fünften Klavierkonzert verrät, dort der gern mit einem Auge in den Salon blinzelnde, geschmeidige Virtuos, dem man gern attestierte, daß er und nicht der irische Weichzeichner John Field das „Notturno“ erfunden und Seite an Seite mit Carl Maria von Weber eine wesentliche Spielart des romantischen Konzerts bereitet hat.

Zwischen diesen Regionen aber: Ingrid Marsoner, die schon mit ihrer Schubert-Produktion und „ihren“ Goldberg-Variationen auf wundersame Weise ein höchst sensibles Antennenwerk demonstrierte und jetzt mit einer nicht minder erstaunlichen Sicherheit die beiden musikalischen Parabolspiegel aufeinander richtet, um Beethovens immense Kraft – man höre nur das minore des Finales – und Hummels Eleganz – Mozarts KV 467 ist im Larghetto nicht fern – miteinander erhöhend zu vermählen.

Genau das scheint ihre besondere Gabe zu sein: das Gespür für die vielfältigen Zwischentöne, die hinter den Gegensätzen das Geschaffene wechselseitig heben. Weshalb zum Beispiel ein avancierter Komponist wie Beat Furrer („Ingrid Marsoner ist eine wunderbare Pianistin“) ebenso beeindruckt ist wie sein drei Jahre älterer „Kollege“ Rick LaSalle, der nach Anhörung seines Ragtime und des Zorzico aus der achten Klaviersonate nur noch sprachlos abwinkte: „Besser und richtiger geht’s nicht“.

Die Neuheit

JOHANN NEPOMUK HUMMEL
Klavierkonzert Nr. 2 a-moll op. 85
LUDWIG VAN BEETHOVEN
Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
Ingrid Marsoner, Klavier
Orchestre Symphonique Bienne
unter Leitung von Thomas Rösner
GRAMOLA CD 98938, VÖ: Februar 2012
Vertrieb: Codæx, Deutschland

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