• „Liebesgeflüster“, Chromolithographie, ca. 1910, Vorlage Hans Zatzka, Verlag Adolf May

Aufbruch ins Land der Farben.
Die Erfindung neuer Bilddruckverfahren im 19. Jahrhundert

24.11.2019 – 29.3.2020, Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik

Als das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik im Jahre 2010 seine schmale Eingangstür öffnete, war Nordrhein-Westfalen um eine Einzigartigkeit reicher: Das »Gebäude« des dänischen Architekten und Künstlers Per Kirkeby, der für den Kulturraum Hombroich insgesamt fünf verschiedene dieser begehbaren Skulpturen geschaffen hat, beherbergt seither eine Sammlung von rund 14.000 farbenfrohen Bildern und Gegenständen, die mit Fug und Recht als die direkten Vorläufer unserer Poster, Plakate und Cartoons angesehen werden, zugleich aber auch als ein eindrucksvoller, mal anrührender, mal belustigender Spiegel einer Epoche zu betrachten sind, die die unauslöschliche Sehnsucht der Menschen nach Bildern auf ihre Weise stillte.

Die Faszination des Bildes an sich ist ein Menschheitsphänomen, das noch weit älter sein dürfte als die ersten nachgewiesenen Höhlenmalereien. Beschwörung, Schmuck, Information und Dekoration, Illustration schauriger Moritaten – wo es etwas zu sehen gibt, da schauen wir erst einmal gebannt hin. Dass dieser »Magnetismus« zwangsläufig zu Instagram, Snapshot, What’s App und anderen Erfindungen führen musste, liegt auf der Hand und im Handy …

Eine wahre Bilderflut erhob sich freilich schon zu Zeiten, als der Strom noch nicht aus der Steckdose kam. Zunächst war es der Holzschnitt, dann der Kupferstich, mit denen das visuelle Verlangen der Menschen in immer größerem Maße befriedigt werden konnte, wobei die Hersteller dieser Druckerzeugnisse mit schwerwiegenden Verschleißerscheinungen zu kämpfen hatten: Die Platten ließen sich ohne Qualitätsverlust nur wenige hundertmal verwenden, bevor die Konturen unscharf wurden – was indes nicht verhindert, dass gedruckte Bilderbogen, Kalender, Flugblätter und Andachtsbilder reißenden Absatz fanden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang der Durchbruch zur wirklichen Massenproduktion – als nämlich die Technik des Steindrucks, der Lithografie, erfunden wurde, die unser Leben bis auf den heutigen Tag beeinflusst: Bilder ließen sich jetzt nicht mehr zu Hunderten, sondern zu Tausenden und gar Hunderttausenden reproduzieren; dementsprechend sank der Preis so erheblich, dass sich nunmehr sämtliche Bevölkerungsschichten ihre »Kunstwerke« leisten konnten. Dienstmädchen, Tagelöhner, Proletarier aller Länder versahen sich mit den dekorativen und erbaulichen Erzeugnissen, die von einer kontinuierlich wachsenden Zahl an Verlagen und Druckereien auf den Markt und von fliegenden Händlern von Haus zu Haus gebracht wurden.

Unter dem Titel Aufbruch ins Land der Farben. Die Erfindung neuer Bilddruckverfahren im 19. Jahrhundert widmet das Feld-Haus diesen Pioniertaten seine nächste Ausstellung. Vom 24. November 2019 bis zum 29. März 2020 ist hier zu sehen, wie die frühen Drucktechniken funktionieren und wie durch Platten aus Holz, Metall und Stein die Welt verändert wurde; wie genau die Drucker arbeiten mussten, wenn sie die Farben korrekt aufs Papier bringen wollten; wie viele Details bei der Kolorierung zu beachten waren, die lange Zeit noch von Hand oder mit Hilfe von Schablonen vorgenommen wurde – bis schließlich mit der Entwicklung der sogenannten Chromolithografie ein weiterer Fort=Schritt ins Land der Farben gelang.

Manche der gedruckten Blätter werden wortwörtlich unter die Lupe genommen, weil eine Unterscheidung der verschiedenen Techniken ansonsten gar nicht möglich wäre. Und schließlich gibt es auch kompetente Antworten auf die Frage, wie die in die Jahre gekommenen und somit sehr anfälligen Papierwerke zu erhalten und nötigenfalls zu restaurieren sind: Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem CICS – Cologne Institute of Conservation Sciences der Technischen Hochschule Köln verwirklicht, und dort kennt man sich mit konservatorischen Maßnahmen wahrlich aus …

Eröffnung der Ausstellung
So, 24. Nov, 11.30 Uhr

Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik
Berger Weg 5, 41472 Neuss (auf dem Kirkeby-Feld zwischen Museum Insel Hombroich und Raketenstation Hombroich)

Öffnungszeiten
Samstag und Sonntag, 11 – 17 Uhr (Eintritt frei)

Das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik ist eine Dependance des Clemens Sels Museums Neuss.

Weitere Informationen
clemens-sels-museum-neuss.de/de/feld-haus.html