L’Adoration de la Terre – Das Klavierduo Pisareva–Tchaidze mit Werken von Igor Strawinsky, Claude Debussy und Béla Bartók
L’adoration de la Terre – die Anbetung der Erde: Unter dieses Motto, mit dem Igor Strawinskij sein Sacre du Printemps überschrieben hat, stellen die Pianisten Nadezda Pisareva und Georgy Tchaidze ihre erste CD-Produktion, die Anfang Mai bei Genuin Classics erscheint. Und selbstverständlich eröffnet das Duo Pisareva-Tchaidze sein nicht eben alltägliches Programm mit diesem epochalen Ritual, das ganze zwei Monate nach dem Wiener »Watschenkonzert« das Pariser Publikum bekanntlich in ganz ähnliche Wallungen versetzte.
Seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten beschäftigen sich die beiden Künstler mit dem Werk – eine lange Zeit, die sich in einer enorm kraftvollen, leidenschaftlichen und atemberaubend präzisen Wiedergabe der quatre-mains-Fassung niederschlägt, die Strawinskij einst mit seinem französischen Mentor Claude Debussy »durchgenommen« hat.
Womöglich hat sich der »Impressionist« von diesem bis dahin unerhörten Geschehen zu seiner eigenen Adoration de la Terre anregen lassen, denn auch seine Six épigraphes antiques (1914) offenbaren auf ihre Weise das »ständige Wechselspiel von Tänzen, Spielen, Ritualen und Anrufungen uralter Geister«, die Georgy Tchaidze im Sacre du Printemps erkennt. Und tatsächlich ergänzen die filigranen, zerbrechlichen Kostbarkeiten das voraufgegangene Stampfen und Toben auf wundersame Weise …
Die betörende Schwerelosigkeit der sechs Invokationen findet ihrerseits eine Antwort in den abschließenden Két kép von Béla Bartók, der sich 1910 mit dem ersten der Zwei Bilder auf Debussys Spuren begab: In Virágzás (»Die Blüte«) erleben wir das frühlingshafte Erwachen der Natur, ein immer wiederkehrendes und doch immer wieder mysteriöses Geschehen, das förmlich nach der Adoration de la Terre verlangt – die sich hernach in einem Falu tánca (»Dorftanz«) entlädt, der das Wunder nach der Andacht mit seinen archaisch-urwüchsigen Rhythmen feiert und zugleich wie ein Vorbote dessen erscheint, was sich zu Beginn des Programms ereignet hat. (Die Bearbeitung der »Bilder« für zwei Klaviere stammt von Zoltán Kócsis.)
Das Klavierduo Pisareva–Tchaidze fand seinen Ursprung bereits vor über zwanzig Jahren am Moskauer Konservatorium – eine künstlerische Begegnung, aus der im Laufe der Zeit ein festes und kontinuierlich arbeitendes Ensemble wurde. Seither konzertiert das Duo in vielen Ländern Europas und Asiens und hat ein beeindruckend reiches Repertoire aufgebaut: Programme für vier Hände ebenso wie für zwei Klaviere, deren stilistische Vielfalt zu einem Markenzeichen ihres gemeinsamen Musizierens geworden ist. Mit dieser Aufnahme möchte das Duo genau diese Breite seines künstlerischen Spektrums widerspiegeln.
Georgy Tchaidze (geboren 1988 in Sankt Petersburg) wird für seine feine Sensibilität, klangliche Tiefe und künstlerische Reife geschätzt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er 2009 als Gewinner des ersten Preises beim Honens International Piano Competition in Kanada. Seither tritt er in bedeutenden Sälen wie dem Konzerthaus Berlin, dem Glenn Gould Studio Toronto, dem Concertgebouw Amsterdam, dem National Centre for the Performing Arts in Peking, dem Oriental Arts Centre Shanghai, der Zankel Hall der Carnegie Hall New York sowie in Bozar und Flagey in Brüssel auf.
Er war Gast renommierter Festivals, darunter Verbier Festival, Lucerne Festival, Kissinger Sommer, Septembre Musical Montreux, Lofoten International Piano Festival, Ottawa Chamber Music Festival, Toronto Summer Music, Cartagena International Chamber Music Festival, Musique de chambre en Normandie in Giverny, Festival Pianistico Internazionale Cristofori in Padua, Serate Musicali Mailand und Cambridge Summer Music Festival.
Ausgebildet am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium bei Sergey Dorensky und an der Universität der Künste Berlin bei Klaus Hellwig (Master mit Auszeichnung), war er zudem Artist in Residence an der Queen Elisabeth Music Chapel unter Louis Lortie. Er trat mit Orchestern wie dem Cleveland Symphony Orchestra, dem Fort Worth Symphony Orchestra und dem Brussels Philharmonic auf und arbeitete u. a. mit Pinchas Zukerman, Leonard Slatkin und Bramwell Tovey.
Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die Kammermusik, unter anderem mit dem Borodin Quartett, Brentano String Quartet, Cecilia String Quartet sowie Künstlern wie Piotr Anderszewski, Stephen Kovacevich, Jean-Efflam Bavouzet, Marc-André Hamelin und Nikolai Lugansky. Seine Diskographie umfasst vier Alben. Seit 2010 lebt er in Berlin.
Nadezda Pisareva wurde 1987 als Tochter eines Musikerehepaares geboren. Sie absolvierte die zentrale Moskauer Musikschule und studierte anschließend bei Sergej Dorenskij am Moskauer Konservatorium sowie – dank der Förderung durch den DAAD – bei Klaus Hellwig an der Berliner Universität der Künste, wo sie auch ihr Konzertexamen bestand. Meisterkurse bei Elisabeth Leonskaja, Abdel Rachman El Bacha, Maria João Pires, Stephen Kovacevic und anderen rundeten ihre Ausbildung ab. 2010 erhielt sie bei der Scottish International Piano Competition in Glasgow die Silbermedaille und den Kammermusikpreis. 2015 folgte der dritte und der Publikumspreis beim internationalen Klavierwettbewerb im italienischen Val Tidone. Erfolgreich war Nadezda Pisareva außerdem beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2014 (Bärenreiter-Urtext Preis) sowie bei Wettbewerben in Frankreich, Spanien, Tschechien und den USA. Von 2014 bis 2016 war sie Mitglied der Yehudi Menuhin Stiftung „Live Music Now Berlin“.
Als „wunderbar, leicht, schäumend und total aufregend“ beschrieb The Herald Glasgow 2010 Nadezda Pisarevas Interpretation des dritten Klavierkonzertes von Sergei Prokofjew mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra unter Martyn Brabbins. Im gleichen Jahr bescheinigte ihr der Sender Polskie Radio 1 ein „unglaubliches Talent“ und eine „selten dagewesene technische Geschicklichkeit und Meisterschaft“. 2016 musizierte sie mit dem Königlichen Kammerorchester der Wallonie in Brüssel. 2015 trat sie im Rahmen der Verbier Festival Akademie auf.
In der Saison 2023/24 war Nadezda Pisareva unter anderem im Leipziger Gewandhaus und im Konzerthaus Berlin zu hören. 2025 trat sie im Großen Saal der Berliner Philharmonie auf. 2026 sind Auftritte mit dem Stuttgarter Kammerorchester und mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode vorgesehen. Seit 2020 ist Nadezda Lehrbeauftragte an der Universität der Künste in Berlin.
Aktuelle Konzerttermine des Klavierduos Pisareva–Tchaidze:
04.10.2026, Potsdam
22.11.2026, Berlin
26.03.-28.03.2027, Hällefors, Schweden
Weitere Informationen
nadezdapisareva.de/klavierduo
nadezdapisareva.de
georgytchaidze.com
Veröffentlichung: 8. Mai 2026
L’Adoration de la Terre
Igor Strawinskij (1882–1971)
Le Sacre du Printemps (The Rite of Spring) K015
Claude Debussy (1862–1918)
Six Épigraphes antiques L. 131, CD. 139
Béla Bartók (1881–1945)
Két kép (Two Pictures), Op. 10, BB 59¬
Transcribed for two pianos by Zoltán Kocsis
Nadezda Pisareva, Klavier
Georgy Tchaidze, Klavier
GENUIN Classics GEN 26968
Vertrieb: Naxos

