Drollige Trolle und zausige Zottel

Als die Geigerin Gudrun Pagel, die Cellistin Sonja Asselhofen und die Pianistin Julia Vaisberg vor zehn Jahren auf den Gedanken kamen, fortan selbdritt zu musizieren, da gaben sie sich den verheißungsvollen Ensemblenamen Pantha rhei, weil sie offenbar schon damals wußten, daß sie sich – ob im Konzertsaal, in Ausstellungsräumlichkeiten oder auf Tonträgern – nicht mit der gewohnten Programmgestaltung würden begnügen wollen. Es ging ihnen von Anfang an darum, die Grenzen zwischen Sparten, Genres und Epochen im Fluß zu halten, und nach der ersten Etappe eines markanten Dezenniums wird man ihrem Trio bescheinigen dürfen, daß der Vorsatz nicht im Gedanken stecken blieb, wie die Reihe der nationalen und internationalen Auftritte – jüngst etwa im September bei der Kölner Musiknacht des WDR – und die Reaktionen auf die bislang erschienenen CD-Produktionen zweifelsfrei bestätigen.

Erfolgreich sind vor allem auch die Kinderkonzerte des Trio panta rhei, dessen Konzertserie für die Jüngsten bei der Kölner Philharmonie zuletzt komplett ausverkauft war – was wiederum kein Wunder ist, denn die drei Künstlerinnen haben während ihrer bisherigen Tätigkeit den unumstößlichen Beweis erbracht, daß Konzerte für die Kleinen und Kleinsten nicht zwangsläufig in das akustische Pendant zu Pixy-Fotos und ähnlichen Niedlichkeiten ausarten müssen.

Man nehme etwa die Geschichte von Thadeus Troll, die soeben erschienen ist – ein kleines Märchen, das gleich mit einer Fülle von Vorurteilen aufräumt. Wir erfahren, daß Trolle keineswegs die plumpen, polternden Gestalten aus Mittelerde oder Hogwarts sind, sondern sehr empfindsame, umgängliche und scheue Wesen, die sehr auf den harmonischen Gleichklang mit der Natur achten. Ferner, daß Freundschaften auch zu zausigen Zotteln möglich sind (vorausgesetzt, sie sind charakterlich einwandfrei) – und schließlich, daß sich auf den Faden einer drollig-trolligen Erzählung die Perlen der klassischen Literatur selbst dann aufreihen lassen, wenn sie für die verfügbaren Instrumente arrangiert und neben Titel gestellt sind, die eindeutig dem unterhaltenden Sektor zugerechnet werden.

Und wo alles fließt, da wird man am Ende noch bemerken, daß Thadeus, auch wenn seine eigentliche Zielgruppe zwischen 4 und 11 Jahren zu finden ist, selbst Erwachsenen ein großes Vergnügen bereitet, vorausgesetzt, sie haben etwas vom Troll in sich bewahrt.

Thadeus Troll

Die CD kann direkt beim TRIO PANTA RHEI bestellt werden: www.triopantarhei.de

Für alle Händler: Die CD ist im Vertrieb von Harmonia Mundi. VÖ 3/2014

Und wer sich mal anschauen möchte, wie so ein Kinderkonzert abläuft, für den hat das Trio panta rhei die Geschichte vom Mondbärchen in Auszügen bei YouTube online gestellt.