ARMONIOSA: La Stravaganza

Frischer Wind aus Italien

Daß Johann Sebastian Bach von seinem italienischen Kollegen Antonio Vivaldi die formalen Grundlagen des barocken Solokonzerts erfahren und übernommen habe, ist nicht nur der Fachwelt geläufig. Doch das kann, wenn wir das zwar heitere, dabei aber ernste Gemüt des Mannes aus Eisenach zu Grunde legen, nicht alles gewesen sein, was ihn an den Werken des venezianischen Virtuosen angezogen hat: Wildes Gefiedel, unterbrochen von mal ruppigen, mal reißerischen Ritornellen, hin und wieder auch von pittoresken Elementen durchsetzte Sätze – derlei hätte kaum hingelangt, ihn von den Möglichkeiten dieser Kompositions- und Spielweise zu überzeugen.

Welche Wunder er in den Partituren des Prete rosso entdeckt haben mochte, darüber haben sich die Musiker des jungen italienischen Ensembles Armoniosa ihre Gedanken gemacht. Die zwölf Konzerte der Stravaganza op. 4 aus den Jahren 1712/13 – Bach war noch einige Zeit von seiner Weimarer »Beugehaft« entfernt – sind natürlich alles andere als Neuland, auch wenn sie gegen die Omnipräsenz der »Jahreszeiten« bis heute ebensowenig ausrichten können wie die ganze Schar der Geschwister. Wie es aber die genau dreihundert Jahre nach der Entstehung der »extravaganten« Stücke gegründete Truppe aus dem piemontesischen Asti versteht, sich in die inneren Gesetze, die überwältigende Rhetorik und die Welt der Affekte zu versetzen, ohne dabei die äußeren Effekte zu verletzen; wie dank enorm flexibler Zeitauffassungen das schnurrend-schnurrige Blendwerk sich in packende instrumentale Schauspiele auflöst: das hat nicht nur das heimische Publikum begeistert, sondern inzwischen auch schon unter dem Motto Viva Vivaldi am Salzburger Mozarteum für Aufsehen gesorgt und überdies eine MDG-Produktion gezeitigt, die den Beginn einer wunderbaren Freundschaft markiert.

Weitere biographische und künstlerische Informationen finden Sie auf unserer Website in der Rubrik Künstler.

Weitere Informationen: www.armoniosa.net