Während in jüngster Zeit auf politischem Parkett wieder mancherlei Fantasien über den vorgezogenen Ruhestand und seine Folgen erklingen, können die ZeughausKonzerte Neuss in diesem Jahr bereits mit ihrer 65. Spielzeit aufwarten, ohne daß jemand auf den Gedanken käme, sie nach all ihren denkwürdigen Erfolgen und großen künstlerischen Ereignissen aufs Altenteil zu schicken: Im wahrsten Sinne auferstanden aus Ruinen, emporgewachsen aus den tiefen Wurzeln eines unzerstörbaren Geistes und in ihren sechseinhalb bisherigen Jahrzehnten bezeichnenderweise von nur drei Persönlichkeiten des Neusser Kulturlebens geleitet, sind die alljährlich stattfindenden Konzerte nach wie vor ein Publikumsmagnet, der aktuellen Entwicklungen in gleichem Maße Rechnung trägt wie historischen Verpflichtungen und auch in der kommenden Saison wieder mit einem breiten Spektrum – von der Solodarbietung bis zum barocken Oratorium – die Musikfreunde in das langgestreckte, akustisch exquisite Zeughaus beim Quirinus-Münster locken wird.

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Am 30. September beginnt die zehnteilige Konzertserie mit einem neuen Besuch des jungen amerikanischen Wunderpianisten Kit Armstrong, der zur Erinnerung an das Jahr 1914 eine extravagante Werkfolge von Johann Sebastian Bach bis zu Leo Ornstein zusammengestellt hat.

Demgegenüber ist das Recital, in dem sich der junge Ukrainer Alexej Gorlatch am 2. Februar 2015 vorstellt, von klassischster Geradlinigkeit: Der vielfach preisgekrönte Schüler des Hannoveraner Pianistenschmiedes Karl-Heinz Kämmerling begibt sich mit Ludwig van Beethovens Pathétique, Mondschein-Sonate und Sturm auf populäres Terrain.

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Inmitten des pianistischen »Nachwuchses« steht am 5. November 2014 ein völlig andersartiges Saitenspiel: der Auftritt des Weltklasse-Harfenisten Xavier de Maistre, der im Laufe des Abends ein Bouquet aus Originalwerken und Arrangements offeriert – darunter eine spektakuläre Bearbeitung der Moldau, die unter den Händen des virtuosen Südfranzosen einen berauschenden Verlauf nimmt.

Hörenswert wie die drei Solisten sind selbstverständlich auch die beiden Duo-Formationen der kommenden Spielzeit. Am 22. Oktober interpretieren der Tenor Maximilian Schmitt und sein Klavierpartner Gerold Huber Franz Schuberts Zyklus Die schöne Müllerin, und am 15. April 2015 beendet die Geigerin Liza Ferschtman mit dem Pianisten Enrico Pace die Saison mit Violinsonaten von Beethoven, Prokofieff und Richard Strauss sowie dem Subito des polnischen Avantgardisten Witold Lutoslawski – eine attraktive Kopplung, die der WDR zum Zwecke späterer Ausstrahlungen mitschneiden wird.

Bis dahin hat sich freilich noch manches in größeren und großen Besetzungen zugetragen. Die Klarinettistin Sharon Kam, die bereits im März 2008 bei den ZeughausKonzerten zu hören war, kommt mit ihrem Bruder Ori Kam (Bratsche) und dem Pianisten Matan Porat am 19. November, um erlesene Kammermusik von Mozart, Schumann, Kurtág und Bruch aufzuführen.

 
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Die Streichquartett-Literatur darf in den Kammerkonzerten natürlich nicht fehlen. Am 16. Januar 2015 unternimmt das Cuarteto Casals mit dem Gitarristen Carles Trepat eine unwiderstehliche Reise durch die spanische Heimat und bis in die unmittelbare Gegenwart erstreckt sich die Musik, die das Minguet Quartett für den 3. März 2015 ausgesucht hat. Gemeinsam mit dem Klavierduo GrauSchumacher werden die vier Musiker eine Auftragskomposition des 1959 geborenen Stefan Heucke aus der Taufe heben. Dazu stehen von Bach und Mendelssohn auf dem Programm.

Noch reichlicher wird sich die Bühne des Zeughauses am 12. Dezember und am 18. März füllen. Rechtzeitig zur Adventszeit gibt es Georg Friedrich Händels Messias mit dem Chorwerk Ruhr und dem Orchester L’arte del mondo unter Florian Helgath, und im vorletzten Saisonkonzert versetzt das Barockorchester La Folia unter der Leitung des Geigers Robin Peter Müller den einstigen Kirchenraum mit Musik von Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi in festliche Schwingungen. Solist ist der Oboist Ramón Ortega Quero, der gleich vier Werke vortragen wird – darunter das Konzert für Oboe und Violine c-moll von Bach, das als (hypothetisches) Urbild des Doppelkonzertes für zwei Klaviere gilt und in die Köthener Zeit des späteren Thomaskantors zurückweist, der vielen seiner instrumentalen Mitbringsel in Leipzig gelungene neue Kleider anzog, da der Terminus Vorruhestandsregelung weder in seinem Denken noch in seinem Sprachschatz vorkam.

Dienstag, 30. September 2014, 20 Uhr
Kit Armstrong, Klavier
Werke von Johann Sebastian Bach, Maurice Ravel, Rued Langgaard, Claude Debussy, Kaikhosru Sorabji und Leo Ornstein

Mittwoch, 22. Oktober 2014, 20 Uhr
Maximilian Schmitt, Tenor • Gerold Huber, Klavier
„Die schöne Müllerin“ op. 25, D 795
Liederzyklus von Franz Schubert nach Gedichten von Wilhelm Müller

Mittwoch, 5. November 2014, 20 Uhr
Xavier de Maistre, Harfe
Werke von Giovanni B. Pescetti, Wolfgang Amadeus Mozart, Francisco Tárrega, Elias Parish Alvars, Enrique Granados, André Caplet und Bedrich Smetana

Mittwoch, 19. November 2014, 20 Uhr
Sharon Kam, Klarinette • Ori Kam, Viola • Matan Porat, Klavier
Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann, György Kurtág und Max Bruch

Freitag, 12. Dezember 2014, 19 Uhr
Chorwerk Ruhr • l’arte del mondo
„Der Messias“, HWV 56 von Georg Friedrich Händel

Freitag, 16. Januar 2015, 20 Uhr
Cuarteto Casals • Carles Trepat, Gitarre
Werke von Joaquin Turina, Miguel Garcia, Juan Crisóstomo de Arriaga y Balzola, Eduard Toldrà und Luigi Boccherini

Montag, 2. Februar 2015, 20 Uhr
Alexej Gorlatch, Klavier
Werke von Ludwig van Beethoven

Dienstag, 3. März 2015, 20 Uhr
Minguet Quartett • PianoDuo GrauSchumacher
Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn und Stefan Heucke

Mittwoch, 18. März 2015, 20 Uhr
La Folia, Barockorchester
Werke von Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi

Mittwoch, 15. April 2015, 20 Uhr
WDR-Kammerkonzert
Liza Ferschtman, Violine • Enrico Pace, Klavier
Werke von Ludwig van Beethoven, Sergej Prokofieff, Witold Lutoslawski und Richard Strauss

Der Einzelkartenvorverkauf startet am 25. August 2014. Tickets können an den bekannten Vorverkaufsstellen, über die Karten-Hotline unter 02131-5269 9999 oder über das Internet unter www.zeughauskonzerte.de bestellt werden (zuzüglich Versandkosten).