Gabriele Leporatti & Yuri Bondarev mit Werken für Bratsche und Klavier von Hindemith, Schostakowitsch und Rota

»Anmut wie Privatheit, Sehnsucht wie Klarheit, Emotionen wie Harmonie«, kurzum: »alle Forderungen, die man an die Musik der Romantik stellen könnte«, hat der junge italienische Pianist Gabriele Leporatti nach den Worten von Jörg Loskill erfüllt, als er im vorigen Jahr die erste CD seines neuen Labels Etera vorstellte. Die Fantasie op. 17 und die Gesänge der Frühe op. 133 von Robert Schumann mit dem Notturno und der Klaviersonate von Ottorino Respighi zu kombinieren, das war an sich schon ein ungewöhnlicher Schritt, und die Ausführung desselben hat dem ehemaligen Schüler der legendären Maria Tipo prompt eine Vielzahl hoher Anerkennungen eingebracht.

Für sein zweites Etera-Album hat Gabriele Leporatti in Yuri Bondarev, dem ersten Bratschisten der Düsseldorfer Symphoniker, einen adäquaten Partner gefunden: Auch er ist ganz offenbar ein Romantiker mit dem rechten Ohr für jene unnennbaren Zwischentöne, die im scheinbar Gegensätzlich-Unvereinbaren als rote Fäden walten und es möglich machen, vier Komponisten von scheinbar ganz unterschiedlichen Weltauffassungen so miteinander zu verbinden, dass das, was auf den ersten Blick wie eine tönende Visitenkarte anmuten möchte, am Ende gar nicht anders hätte sein können. Paul Hindemiths Bratschensonate op. 11 Nr. 4 neben Nino Rotas Intermezzo und Dimtrij Schostakowitschs Opus ultimum, dazu Sergej Rachmaninoffs Margaritki (»Gänseblümchen«) als wirksame Zugabe – da müssten nach musikalischem Ermessen die Gegensätze nur so aufeinander prallen …

Das Duo Bondarev-Leporatti hingegen betrachtet alle vier anwesenden Komponisten aus dem Blickwinkel ihrer »romantischen Seele«: Das Resultat ist so verblüffend, wie es die Begegnung von Schumann und Respighi war. Der impressionistische Tonfall der Fantasie, mit der Hindemith seine Sonate beginnt, wirkt nach Anhörung der gesamten Produktion wie ein Echo der Margaritki, während Rotas lyrisch-beschwingtes Intermezzo ganz natürlich in Schostakowitschs sparsam gesetzte Pizzikati einmündet und das Leben, das mit der (keineswegs resignierenden) Hommage an die Mondscheinsonate zu Ende ging, in dem kleinen Lied des großen Sergej seine Auferstehung findet. Etera oder Eterna? Das ist hier die Frage …

Weitere Informationen: www.gabrieleleporatti.com