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Auf die Frage, ob sie sich anfangs hätten vorstellen können, eines Tages mit ihrem Programm überall auf der Welt aufzutreten zu dürfen, antwortet Dom Smith, einer der zehn australischen Tenöre: „Nein, niemals. Unsere kühnste Hoffnung war anfangs, dass wir durch die Einnahmen aus unseren Konzerten das Bier hinterher bezahlen könnten, bis wir das Studium abgeschlossen hätten.“ Die neun weiteren Tenöre – sie sind im Alter zwischen Anfang zwanzig und Anfang dreißig – stimmen Doms Erinnerung ohne weiteres zu.
Inzwischen sind die Ten Tenors ein Phänomen in der internationalen Musiklandschaft. Ihren Erfolg verdanken sie nicht zuletzt dem Umstand, dass sie etwas ganz Eigenes, Einzigartiges machen und sich in keine musikalische Schublade stecken lassen. Sie sind Opernsänger und Popstars, Rock´n´Roller, Entertainer und Varitékünstler – und zwar alles auf einmal. „Musikalische Chamäleons“ wäre – wenn überhaupt – die einzige passende Schublade für diese Gruppe.
Allein in Deutschland werden die jungen Australier im Jahr 2004 über 100 Mal vor ihr Publikum getreten sein. Dabei konnten sie eine Viertelmillion Menschen in die Konzertsäle oder Open-Air-Shows locken.
Die Ten Tenors kamen zusammen, als jeder von ihnen noch Student an der Universität von Brisbane war. Damals traten die angehenden Sänger schon ab und zu in der Oper oder bei klassischen Konzerten auf. Doch trotz ihrer durchaus ernst gemeinten Beschäftigung mit der E-Musik, merkten sie schnell, dass sie den meisten Spaß in der Garderobe hatten, wenn die auf ihren Auftritt warteten. Wenn sie sich dann hinter der Bühne langsam warm sangen, entstand aus den Übungen regelmäßig und wider Willen eine Art ungeprobte, spontane Comedy-Show.
„Wir haben damals viel gelacht und uns gegenseitig hoch genommen. Das ist heute noch so. Immer hatte einer von uns eine neue Idee, und so entwickelten sich die witzigsten Parodien und musikalischen Persiflagen. Wenn wir dann aufhören mussten, weil wir auf die Bühne sollten, stöhnten wir schon ein bisschen“, erinnert sich Stewart Morris, der im Jahr 2000 als festes Mitglied zu der Gruppe stieß. „Wir sagten immer scherzhaft, man solle doch lieber das Publikum aus dem Saal in unsere Garderoben bringen, weil es bei uns hinter den Kulissen die beste Show gab.“
Nachdem die Gesangsstudenten während ihrer Ausbildungszeit immer wieder bei verschiedenen Firmen-Galas aufgetreten waren, beschlossen sie kurz vor Beendigung des Konservatoriums, ein Programm nach ihren eigenen Vorstellungen auf die Beine zu stellen. Einerseits wussten sie, dass es um feste Engagements im klassischen Fach ohnehin schlecht bestellt war, andererseits wollten sie mit ihrer Musik unterhalten und den Zuhörern im Saal genauso viel Spaß bereiten wie sie ihn selber hatten. Nach einigen Proben machten sie sich also auf den Weg in eine ungewisse Zukunft und sangen, wo immer man sie ließ. Damit waren sie ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen, denn die Gruppe hatte weder die Erlaubnis der Schule noch irgendeine finanzielle Unterstützung. Doch ihre Bereitschaft zum Risiko zahlte sich bald aus.
„Es war ein kleiner Skandal“, denkt Liam McLachlam an die Anfänge der Ten Tenors zurück. Er selbst trat erst vor kurzem dem Zehnerbund bei. „Ich hatte später am Konservatorium begonnen und war entsprechend noch einige Semester hinter den Jungs zurück, als sie das erste Mal auf diese eigenfinanzierte Tournee gingen. Die meisten Kommilitonen meinten damals, dass sie verrückt seien. Doch die Ten Tenors waren so überzeugt von dem, was sie taten, dass sie das kaum störte.“
Die Ten Tenors wurden von Konzert zu Konzert besser. Mit jedem Auftritt entwickelten sie das Programm ein wenig weiter, schleiften an ihren musikalischen Fähigkeiten und feilten an den komödiantischen Einlagen. Doch sie bestanden darauf, nur in ihren „klassischen Anzügen“ aufzutreten.

1998
gaben the ten tenors ihr erstes abendfüllendes Konzert im
Empire Theatre in Toowoomba, hatten einen Auftritt in der landesweit
ausgestrahlten Fernsehshow Healthy Wealthy and Wise und planten ihre
erste Tour. Bis Mitte des Jahres wurde es für jeden der Sänger
ein Full Time Job. Sie stellten ihre Crew zusammen, fanden eine Plattenfirma
und veröffentlichten ihr Debüt-Album "Tenorissimo!".

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„Anfangs sangen wir ein ziemlich konservatives Repertoire. Die Comedy-Elemente bauten wir ein, damit wir Klassisches vortragen konnten, ohne dass das Publikum uns einzuschlafen drohte“, sagt Dom Smith. „Das war unsere Besonderheit. Jede Gruppe klassisch ausgebildeter Sänger kann Arien bringen, aber wir wollten die Musik einfach anders präsentieren.“ Heute nennen sie das „opera without the boring bits“, also „Oper ohne die langweiligen Teile“.
„Es ist aber auch die ungewöhnliche Kombination der Stimmen, die die Gruppe so einmalig macht“, stellt Matthew Hickey, der Chef der Tenors, heraus. „Konventionelle Formationen werden gewöhnlich nicht nur aus Tenören zusammengestellt. Wir hingegen fokussieren uns bei den Arrangements ebenso wie bei unseren eigenen Kompositionen darauf, die ganze Bandbreite von Tenorstimmen in den verschiedenen Genres und im musikalischen Ausdruck auszureizen. Das ist immer wieder eine Herausforderung und sehr spannend!“
Diese Meinung scheinen auch die Zuschauer zu teilen. Zumindest haben die Ten Tenors ständig neue Anhänger gefunden, nachdem sie beim deutschen Vorentscheid zum Grand Prix 2002 (wie auch im Jahr 2004) in Europa von sich reden gemacht hatten. Seitdem haben sie hier wie auch in den USA, in Australien und in Asien unzählige Konzerte gegeben. Ihre Familien und Freunde sehen sie selten, längere Pausen oder gar Urlaube sind den zehn Tenören höchstens noch vom Hörensagen bekannt.
„Wir schätzen die Musikbranche ganz realistisch ein“, sagt David Kidd, der seit 1998 zu den Ten Tenors gehört. „Wir sind wirklich begeistert von dem, was wir tun, und wollen nicht als Strohfeuer in die Geschichte eingehen. Eine langjährige musikalische Karriere kann man aber nur dann haben, wenn man ständig unterwegs ist – und immer wieder auf der Bühne steht. Fans können sehr treu sein, allerdings nur, wenn man sich ihnen gegenüber ebenso loyal zeigt. Unsere Fans wissen, dass wir alles geben und dass wir uns ihnen ebenso wie uns untereinander verpflichtet fühlen.“
Es sind allerdings nicht nur die Fans, die die Originalität und hohe Qualität der Ten-Tenors- Performances zu schätzen wissen. Auch den Entscheidern beim großen US-Unterhaltungskonzern Walt Disney kam die Musik der Ten Tenors zu Ohren, und so wurden die Australier vor kurzem gebeten, der Fortsetzung des Zeichentrickfilms „Jungle Book“ den Titelsong beizusteuern. „Das war einfach unglaublich“, schwärmt Drew Graham, festes Mitglied im Verbund seit 1998. „Von Disney gefragt zu werden, bei der Fortsetzung des größten Kinderfilms aller Zeiten mitzumachen, das ist schon was! Ich glaube, wir haben gar nicht richtig kapiert, welche Bedeutung dieser Song für uns hatte, bis wir selbst im Kino saßen und unsere eigene Stimmen hörten, während der Abspann lief. Das war wirklich cool!“
Nicht nur für Disney, auch für BMW sangen die Ten Tenors schon, nämlich zum Start eines neuen Fahrzeugmodells aus der Fünfer-Serie. „Wir warten allerdings immer noch auf unsere Autos“, witzelt Jason Turnball. Sportlich engagiert wie jeder von ihnen ist (Rugby, Fußball, Skating etc.), unterstützten die Ten Tenors musikalisch nicht nur das diesjährige Finale der Australian Football League, sondern auch die Tour de France 2004 in der ARD mit ihrer Neuinterpretation des Queen-Klassikers „Bicycle Race“, produziert von Michael Soltau (u.a. Gregorian, José Carreras, Sarah Brightman).
Die Ten Tenors haben in kurzer Zeit schon eine Menge erreicht und freuen sich über ihren internationalen Erfolg. Doch sie wollen mehr: „Es ist uns wichtig, dass wir uns musikalisch weiterentwickeln. Es gibt ja auch noch so viel wunderbare Musik, um die wir uns noch gar nicht gekümmert haben“, sagt Craig Atkinson. „Die Freude an der Musik steht bei uns an erster Stelle. Solange wir Spaß an dem haben, was wir machen und unser Publikum gut unterhalten wissen, bleiben wir dabei. Wir haben uns übrigens vorgenommen, jedes Mal besser zu werden als zuvor.“ Bisher ist ihnen das auch gelungen.
Text: (c) Warner Music
Aktuelle Besetzungsliste 2008
Drew Graham
Tod Strike
Liam McLachlan
Dom Smith
Stewart Morris
David Kidd
Craig Hendrey
Craig Atkinson
Shannon Brown
Jason Turnball
Dion Molinas, 2. Besetzung
Steven Baker, Klavier & musikalische Leitung
Michael Maikus, Keyboards
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