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In meiner Musik für Streicher Rotation 90° N ist der Ausgangspunkt
der Nordpol. Der 90. Grad nördlicher Breite wird aus dem nördlichen
Schnittpunkt der Erdachse mit der Erdoberfläche sowie aller Meridiane
des Gradnetzes gebildet. Im Gegensatz zu dem im Landesinneren von Antarctica
gelegenen Südpol liegt der geographische Nordpol inmitten des packeisbedeckten
Nordpolarmeeres. Er bezeichnet den nördlichsten Punkt der Erde. Von
ihm führt jede Richtung gen Süden. |
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Wir alle werden jeden Tag mit einem ganz erheblichen Tempo auf verschiedenen
Kreisbahnen umhergeschleudert. Die Erde dreht sich um sich selbst und
je näher wir dem Äquator sind, desto weiter ist der Weg, der binnen
24 Stunden zurückgelegt werden muß; die Erde dreht sich um die Sonne;
die Sonne wandert in weiten Kreisen ums Zentrum unserer Galaxis - und
gelegentlich dreht man durch, weil es wahre Ruhe eigentlich nicht geben
kann.
Einzig an den Polen unseres Planeten läßt sich das ewige Kreisen ein wenig reduzieren. Hier sind mit der Erddrehung keine Entfernungen mehr zu bewältigen. Man kreist vielmehr in sich, erlebt die ganz eigentümliche Kraft "am Ende der Welt". Indessen die größeren Zyklen weitergehen, findet man zu einer Art eigener Mitte, zu einem gewissermaßen planetarischen Äquilibrium, aus dem eine Musik entstehen kann, die jede Hektik ausgeschaltet hat - die Hektik der sogenannten Tagesgeschäfte, der Mode, der politischen und zwischenmenschlichen Hysterien, der Kursschwankungen und der ökonomischen Unwägbarkeiten. Rotation 90°N ist eine in sich kreisende Meditation für tiefe Streicher. Sie erschien 1993 in einer Aufnahme mit dem Royal Philharmonic Orchestra bei dem australischen Label Arva. Eine Live-Aufführung fand am 2. November 1998 - wiederum mit dem Royal Philharmonic Orchestra - in London statt. Damals stand Rotation 90° N am Anfang eines Programms, das über das Violinkonzert e-moll von Felix Mendelssohn zur siebten Symphonie von Anton Bruckner führte und damit zu einem weiteren "heiligen" oder "magischen" Ort: "So oft ich von Luzern nach Wien oder Linz fahre, besuche ich Sankt Florian, wo Bruckner als Organist tätig war. Und wenn jemand auf der Orgel spielt, ist es nicht schwer, sich vorzustellen, daß es er ist, der dort droben sitzt ... So entsteht ein Energiestrom von der Musik zur Architektur und wieder zurück zu der reziproken Architektur der gigantischen Bruckner-Symphonien". ![]() Hier kommt dann freilich wieder die Dynamik ins Spiel; es entsteht eine neue Bewegung auf der Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält und sie rotieren läßt. Hin und wieder aber ist es eben nötig, Orte aufzusuchen, in denen sie vorübergehend zur Ruhe kommt. Denn nur wer staunen kann, kann auch erschaffen. |
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Robert
Bachmann
Rotation 90 ° N Musik für Streicher Royal Philharmonic Orchestra Dirigent Robert Bachmann ARVA Classics CD-390004-2 |

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Nach
einem Aufenthalt am Nordpol schrieb der Schweizer Robert Bachmann (1944)
diese meditative Musik für tiefe Streicher (Bratschen, Celli, Kontrabässe),
die nicht nur Ruhe und Frieden wiedergibt, sondern auch die Erdachsendrehung,
die Bachmann spürte und die Antrieb und Wesen seiner Komposition
ist.
Die Musik ist düster, mystisch, kosmisch, auf Dauer monoton, aber doch gerade in dieser Einfachheit von Form und Aussage recht eindringlich. Das Gefühl von Einsamkeit und Stille konnte Bachmann nicht in einem Zehn-Minuten-Werk abhandeln. Die Dauer des Werkes ist also eine schöpferische Komponente. Sie ist Teil der merkwürdigen Kraft, die von dieser musikalisch kreisenden Meditation ausgeht. So ist Bachmanns Musik ein Stück jener wahren Ruhe, die es ihm zufolge eigentlich nicht geben kann. Nach 71 Minuten ist es daher auch vorbei. Aber wer mehr braucht, kann ja die Repeat-Taste einschalten ... Pizzicato, Luxemburg, 3/2001 Wie in einen Strudel wird man hineingezogen. Aber, man ertrinkt nicht. Wie in einer Luftblase erlebt man die Umgebung, die sich um sich selbst dreht. Wunderschöne Musik zum Abheben. Hermann, Cottbus, 3/2001 |