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Ausgabe: September/Oktober 2010

Inhalt:

 

Historisch & doch brandaktuell
Der Pianist und Komponist Kurt Leimer
Spielzeit 2010/11
Die ZeughausKonzerte Neuss
Fanny & Charles — Eine Liaison in Rom
Die Pianistin Konstanze Eickhorst
Personalia
Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein
 

 

 

Kurt Leimer

Historisch & doch brandaktuell
Der Pianist und Komponist Kurt Leimer
Kurt Leimer (Wiesbaden, 7. September 1920 — Vaduz, 20. November 1974) war deutscher Konzertpianist, Komponist und Klavierpädagoge.

Ob glückliche Koinzidenz oder konkreter Nachhall des frühen Unterrichts, den Kurt Leimer bei seinem Onkel Karl und dessen Schüler Walter Gieseking im Modernen Klavierspiel erhielt — die jüngste CD-Produktion, die das Nürnberger Label Colosseum im Zusammenwirken mit der Zürcher Kurt-Leimer-Stiftung veröffentlicht, beginnt jedenfalls mit einem Werk, das in der außergewöhnlichen »Methode nach Leimer-Gieseking« eine zentrale Rolle spielte: Die Französische Suite E-dur BWV 817, an deren Allemande Leimer senior nachdrücklich demonstrierte, was man unter der »Trainierung des Gedächtnisses durch Reflexion« zu verstehen und wie man dasselbe im höchsten Grade nutzbringend anzuwenden habe — eine Art der musikalischen Einprägung, die selbst bei Laien ganz erstaunliche Resultate zeitigt, indessen sie künstlerische Begabungen zu ungeahnten Wunderdingen emporhebt.

Dabei sind die klingenden Ergebnisse stets der individuelle Ausdruck der spielenden oder spielerischen Persönlichkeit, nie das eingeebnete Brillantentum pianistischer Clonkrieger. Weshalb denn auch die Vermächtnisse derer, die das Wesen der Musik mit ihrem ganzen Wesen er- und begriffen haben, idiosynkratische Gebilde aus schöpferisch-nachschöpferischen Leistungen und keine Massenware am laufenden Meter bieten. Einer war vielleicht ein kolossal fleißiger Studio-Künstler, ein anderer eher zurückhaltend im Umgang mit Bandmaschine und Mikrophon, dafür aber in dem wenigen, was er festhielt, nicht minder kostbar — wie etwa Kurt Leimer, der auch gut fünfunddreißig Jahre nach seinem frühen Tod noch immer mit einer gewissen Widerspenstigkeit die Aufnahmen freizugeben scheint, die er im Laufe seiner Karriere gemacht hat.

CD Cover Kurt Leimer 9204

Seit 2005 sind bei Colosseum bereits vier CDs der Kurt-Leimer-Stiftung erschienen, die eine ganz erstaunliche, wenngleich durchaus begreifliche Resonanz ausgelöst haben. Das Schwergewicht lag dabei bislang auf dem konzertanten Sektor. Johannes Brahms, Peter Tschaikowsky, George Gershwin, Richard Strauss und Kurt Leimer selbst als Autor von zwei Klavierkonzerten waren der Gegenstand dreier Produktionen, die ein Doppelalbum des »herausragenden Chopin-Interpreten« (codex flores) ergänzte: »Die Subtilität in Anschlag und Ausdruck, die Transparenz des Satzes, die Beleuchtung des Details verbinden sich kraft einer formal stringenten, emotional noblen Gestaltung, die Salonbombast und virtuoses Zelebrieren ausschliesst, zu einem Spiel von höchster Luzidität und Eindringlichkeit.«

Die fünfte Veröffentlichung sorgt jetzt mit der eingangs erwähnten Suite von Johann Sebastian Bach sowie je einem Meilenstein der Klassik und der Romantik für neuen Zündstoff, an dem sich Klavierbegeisterte entflammen können: Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 32 c-moll op. 111 und die (ursprünglich bei EMI eingespielten) Variationen über ein Thema von Paganini op. 35 von Johannes Brahms sind zu einem vielfach aufeinander bezüglichen Programm gekoppelt, dessen Einzelnes und Ganzes wieder einmal die wohltuend »andere« Kunst des Klavierspiels erkennen läßt, für die der Name Leimer seit mehr als einhundert Jahren steht.



Die Neuheit

Johann Sebastian Bach
Suite E-dur BWV 817
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 32 c-moll op. 111
Johannes Brahms
Variationen über ein Thema
von Paganini op. 35
Kurt Leimer, Klavier
Colosseum Classics COL 9204.2

Vertriebe
Musikwelt in Münster, Deutschland
& in der Schweiz: www.musicora.ch



Weitere Informationen:
www.kurtleimer.ch
www.colosseum.de


... mehr zu Kurt Leimer


Biographie

Kurt Leimer (Wiesbaden, 7. September 1920 — Vaduz, 20. November 1974), deutscher Konzertpianist, Komponist und Klavierpädagoge. Er besuchte das Gymnasium in Wiesbaden und gelangte 1936 mit einem Stipendium an das Spangenbergsche Konservatorium in Wiesbaden, wo er bei C. Heintl und ab 1937 bei Wilhelm von Keitel Klavier studierte. Walter Gieseking, Carl Schuricht und Wilhelm Furtwängler beurteilten Leimers Klavierspiel in einer Evaluation von 1937 mit der besten Auszeichnung (in dieser Beurteilung hieß es unter anderem, daß Kurt Leimer »auf das Konzertpodium« gehöre und »jeder Förderung würdig« sei).

Aufgrund dieser Beurteilung erhielt Kurt Leimer ein Stipendium für das Berliner Konservatorium, wo er beim Rachmaninoff-Schüler Wladimir Horbowsky und bei Winfried Wolf das Klavierstudium fortsetzte. 1938 folgte sein öffentliches Debüt in Berlin. Ein weiteres Stipendium eröffnete ihm 1939 die Möglichkeit, bei Edwin Fischer zu studieren und seine Kompositionsstudien am Berliner Konservatorium weiterzuführen (u. a. bei Kurt von Wolfurt).

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er in die Wehrmacht einberufen und geriet 1944 in Livorno in Gefangenschaft. Unter dem Eindruck des Krieges entstand sein Konzert für die linke Hand in einem Satz, welches Kurt Leimer 1953 mit den Wiener Philharmoniker unter Herbert von Karajan uraufführte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann Leimers außerordentliche Karriere als Konzertpianist, welche ihn in alle großen Konzerthäuser der Welt führte.

Kurt Leimer bezeichnete die Uraufführung von Richard Strauss' Panathenäenzug für Klavier und Orchester, den Strauss Leimer gewidmet hatte, immer als eine besonders wichtige Station seines Konzertlebens.

1953 wurde Kurt Leimer an die Akademie für Musik und Darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg berufen, wo er bis zu seinem Lebensende eine Professur innehatte und für die Leitung der Meisterklasse der Salzburger Sommerakademie verantwortlich war. Ein Jahr später initiierte Kurt Leimer mit einigen Kollegen das Institut für neuzeitliche Klavierausbildung, das aufgrund administrativer Hürden aber leider nicht gegründet werden konnte.

1955 entstand sein Klavierkonzert Nr. 4, das mit Leopold Stokowski in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt wurde.


Weitere Informationen:
www.kurtleimer.ch
www.colosseum.de


Kurt Leimer Stiftung
Postfach 2711, CH-8033 Zürich
Telefon: +41 (043) 233 8118
Fax: +41 (043) 233 8119

Diskographie

Bisher sind erschienen

Kurt Leimer
Konzert für Klavier (linke Hand) und Orchester
Richard Strauss
Panathenäenzug op. 74
Philharmonia Orchestra
Herbert von Karajan
Nürnberger Symphoniker
Günter Neidlinger
Colosseum Classics COL 9200.2

CD Cover Kurt Leimer 9200


Frédéric Chopin
Klaviersonate Nr. 2 b-moll op. 35
Scherzo Nr. 1 h-moll op. 20
12 Etüden op. 10, 12 Etüden op. 25
Colosseum Classics COL 9201.2




George Gershwin
Concerto in F
Kurt Leimer
Klavierkonzert Nr. 4 in einem Satz (1955)
Skyline Symphony Orchestra unter Leitung von Günter Neidlinger
Symphony of the Air-Orchestra New York unter Leitung von Leopold Stokowski
Colosseum Classics COL 9202.2




Johannes Brahms
Klavierkonzert B-dur op. 83
Peter Tschaikowsky
Klavierkonzert b-moll op. 23*
Nürnberger Symphoniker unter Leitung von Erich Kloss
Symphony of the Air-Orchestra New York unter Leitung von Günther Neidlinger*
Colosseum Classics COL 9203.2

CD Cover Kurt Leimer 9203


Vertriebe: Musikwelt in Münster, Deutschland
& in der Schweiz: www.musicora.ch

 


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