Ob glückliche Koinzidenz oder konkreter Nachhall des frühen
Unterrichts, den Kurt Leimer bei seinem Onkel Karl und dessen Schüler
Walter Gieseking im Modernen Klavierspiel erhielt — die jüngste
CD-Produktion, die das Nürnberger Label Colosseum im Zusammenwirken mit
der Zürcher Kurt-Leimer-Stiftung veröffentlicht, beginnt jedenfalls mit
einem Werk, das in der außergewöhnlichen »Methode nach
Leimer-Gieseking« eine zentrale Rolle spielte: Die Französische Suite
E-dur BWV 817, an deren Allemande Leimer senior nachdrücklich
demonstrierte, was man unter der »Trainierung des Gedächtnisses durch
Reflexion« zu verstehen und wie man dasselbe im höchsten Grade
nutzbringend anzuwenden habe — eine Art der musikalischen Einprägung,
die selbst bei Laien ganz erstaunliche Resultate zeitigt, indessen sie
künstlerische Begabungen zu ungeahnten Wunderdingen emporhebt.
Dabei sind die klingenden Ergebnisse stets der individuelle Ausdruck
der spielenden oder spielerischen Persönlichkeit, nie das eingeebnete
Brillantentum pianistischer Clonkrieger. Weshalb denn auch die
Vermächtnisse derer, die das Wesen der Musik mit ihrem ganzen Wesen er-
und begriffen haben, idiosynkratische Gebilde aus
schöpferisch-nachschöpferischen Leistungen und keine Massenware am
laufenden Meter bieten. Einer war vielleicht ein kolossal fleißiger
Studio-Künstler, ein anderer eher zurückhaltend im Umgang mit
Bandmaschine und Mikrophon, dafür aber in dem wenigen, was er
festhielt, nicht minder kostbar — wie etwa Kurt Leimer, der auch gut
fünfunddreißig Jahre nach seinem frühen Tod noch immer mit einer
gewissen Widerspenstigkeit die Aufnahmen freizugeben scheint, die er im
Laufe seiner Karriere gemacht hat.

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Seit 2005 sind bei Colosseum bereits vier CDs der Kurt-Leimer-Stiftung erschienen, die eine ganz erstaunliche, wenngleich durchaus
begreifliche Resonanz ausgelöst haben. Das Schwergewicht lag dabei
bislang auf dem konzertanten Sektor. Johannes Brahms, Peter
Tschaikowsky, George Gershwin, Richard Strauss und Kurt Leimer selbst
als Autor von zwei Klavierkonzerten waren der Gegenstand dreier
Produktionen, die ein Doppelalbum des »herausragenden
Chopin-Interpreten« (codex flores) ergänzte: »Die Subtilität in
Anschlag und Ausdruck, die Transparenz des Satzes, die Beleuchtung des
Details verbinden sich kraft einer formal stringenten, emotional noblen
Gestaltung, die Salonbombast und virtuoses Zelebrieren ausschliesst, zu
einem Spiel von höchster Luzidität und Eindringlichkeit.«
Die fünfte Veröffentlichung sorgt jetzt mit der eingangs erwähnten
Suite von Johann Sebastian Bach sowie je einem Meilenstein der Klassik
und der Romantik für neuen Zündstoff, an dem sich Klavierbegeisterte
entflammen können: Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 32 c-moll op. 111
und die (ursprünglich bei EMI eingespielten) Variationen über ein Thema
von Paganini op. 35 von Johannes Brahms sind zu einem vielfach
aufeinander bezüglichen Programm gekoppelt, dessen Einzelnes und Ganzes
wieder einmal die wohltuend »andere« Kunst des Klavierspiels erkennen
läßt, für die der Name Leimer seit mehr als einhundert Jahren steht.
Die Neuheit
Johann Sebastian Bach
Suite E-dur BWV 817
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 32 c-moll op. 111
Johannes Brahms
Variationen über ein Thema
von Paganini op. 35
Kurt Leimer, Klavier
Colosseum Classics COL 9204.2
Vertriebe Musikwelt in Münster, Deutschland
& in der Schweiz: www.musicora.ch
Weitere Informationen:
www.kurtleimer.ch
www.colosseum.de
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