Der Maler, Romantiker und Kunstprofessor Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863) war ein Pionier der Landschaftsmalerei – oder »Häuptling der Landschafter«, wie ihn sein Freund und Kollege Carl Friedrich Lessing liebevoll nannte, mit dem er 1827, beide zu der Zeit noch Kunststudenten in Düsseldorf, den »Landschaftlichen Komponierverein« gründete.
Auf den zahlreichen Freilichtstudien hielt Schirmer die regional unterschiedlichen Landschaften, Vegetationen, Architekturdenkmäler und Menschen fest. Hieraus entwickelte Schirmer stimmungsvolle
Ideallandschaften in Öl, er etablierte die Landschaftsmalerei als akademisches Lehrfach und gehört zu den Gründungsvätern der Düsseldorfer Malerschule. Schirmer gab seine Malweise an über 280
Schüler weiter, zu denen unter anderem Oswald Achenbach, Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und sogar Felix Mendelssohn gehören.

Johann Wilhelm Schirmer »Bei Tivoli« - Blick auf die Apsis der Kirche La Carità, 3. Juni 1840 - museum kunst palast, Düsseldorf, Gemäldesammlung, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW)
Seit seiner frühesten Jugend, mithin schon im Jülicher Elternhause, hatte Schirmer seinen natürlich ausgeprägten Sinn und Blick für reale Topographien und ungewöhnliche Perspektiven geschärft – wenn er beispielsweise den großen Niederländern und besonders dem völlig unverwechselbaren Jacob van Ruisdael kopierend und schaffend nachspürte. Als Schüler Wilhelm von Schadows in Düsseldorf genoss er dann einen Unterricht, in dem es mehr um die Förderung der Anlagen als
die akademisch sture »Einpaukung« eines unveränderlichen Lehrplans ging: Schadow war es auch, der in seinem spezifisch begabten Studenten tatsächlich einen »neuen Ruisdael« heranwachsen sah – einen Landschaftsmaler von überragender Finder- und Erfinderfähigkeit, der der Topographie und ihrer jeweiligen Fauna beziehungsweise Architektur rasch die innewohnenden Möglichkeiten ansah.
Obendrein war Schirmer mit der gehörigen Reiselust und Entdeckerfreude sowie mit einem Hang zur Präzision gesegnet, der sich nie mit dem Ungefähren oder einmal Erreichten beschied. Ausgehend von der unmittelbaren Umgebung seines frühen
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Lebenskreises, eroberte er sich skizzierend und beobachtend immer größere Regionen zunächst der rheinischen Gegenden, dann Deutschlands, endlich aber auch Italiens und Frankreichs, bis er am recht frühen Ende seines Lebens, als Direktor der Karlsruher Kunstschule, ein kolossales Œuvre von über 600 Gemälden und 1.600 Zeichnungen hinterließ.
Einen Einblick in Schirmers Freilichtmalerei gibt die Ausstellung »Die weite Ferne so nah – Johann Wilhelm Schirmers Reiseskizzen« im Clemens-Sels-Museum Neuss (25. April bis 1. August 2010). 180 Zeichnungen und Aquarelle aus dem persönlichen Nachlass des Malers, darunter zwei komplette Skizzenbücher von seinen Reisen in die Schweiz 1835 und nach Italien 1839/40 zeigen hierbei auch seinen künstlerischen Werdegang auf. Ein Vergleich der Studien mit den fertigen Kompositionen wie dem berühmten »Deutschen Urwald« oder der »Römischen Campagna mit Wasserleitung« offenbart, wie die Motive der Studien Eingang in Schirmers Gemälde fanden und beleuchtet so den Prozess der Bildentstehung.
Die italienischen Ölstudien in Schirmers Werk zeigt das museum kunst palast in der Ausstellung »Ein bläulich silbriger Duft der Ferne – Schirmer in Italien«. Mit sicherem Strich fing er die Schönheit der Landschaft mit ihrer südlichen Vegetation und ihren faszinierenden Licht- und Farbenspielen ein.
Im Museum Zitadelle Jülich werden die Verbindungen zwischen der Düsseldorfer Malerschule und den USA behandelt, während sich das LandesMuseum Bonn mit der Genese des Landschaftsbildes im Atelier beschäftigt.
Das Siebengebirgsmuseum Königswinter behandelt den Mittelrhein als wichtigen Studienort für die Schüler Schirmers, und in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach wird das Bild durch ein Werkverzeichnis der Schirmer'schen Druckgraphik komplettiert.
Die Ausstellungen sind Teil des Kooperationsprojektes »Johann Wilhelm Schirmer – Vom Rheinland in die Welt«, dessen Schirmherrschaft Dr. Jürgen Rüttgers, der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, übernommen hat.
Clemens-Sels-Museum Neuss
Am Obertor, D-41460 Neuss
Telefon: +49(0)2131-904141
Öffnungszeiten: Di - Sa von 11 bis 17 Uhr,
Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr
Weitere Informationen:
www.schirmer2010.de
www.clemens-sels-museum.de
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