Nachdem sich die drei Musiker des Trio Parnassus in aller Ausführlichkeit mit dem Schaffen des preußischen Prinzen Louis Ferdinand beschäftigt haben, ist es eigentlich völlig natürlich, daß
sie sich auf ihrer Reise durch Repertoire und Raritäten nunmehr ans westliche Ufer des Rheins begeben und damit beginnen, das kammermuskalische Schaffen des »Hexagons« unter die feine Lupe zu nehmen – eine besonders dankbare Arbeit wiederum, wenn man bedenkt, mit welcher Beharrlichkeit dort das Publikum des 19. Jahrhunderts versuchte, den instrumentalen Gattungen den Rücken zu kehren.
Die erste Etappe ihrer »Tour de France« führt Yamei Yu, Michael Groß und Chia Chou zu dem späten romantischen Virtuosen Benjamin Godard, der 1849 in Paris geboren wurde und aus einem ähnlich gutsituierten Elternhause stammte wie Felix Mendelssohn, mit dem er im übrigen manchen biographischen Zug gemeinsam hat:

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Das geigerische Wunderkind sorgte für Furore, kassierte mit seinen »charakteristischen Symphonien« à la Spohr und seinen spektakulären Konzerten große Lorbeeren, fand mit seinen Klaviertrios die Türen der Pariser Salons weit offen und versank schließlich in jenem historischen Halbdunkel, das viele Sternschnuppen beherbergt.
Im heutigen Repertoire kennt man vielleicht noch die Berceuse de Jocelyn oder einiges an Liedern und Klavierminiaturen, während die größeren und großen Formen längst nicht mehr als seine
Domäne gelten. Ob zu recht, muß bezweifelt werden:
Das Trio Parnassus, das jetzt bei Dabringhaus+Grimm seine ersten »hexagonalen« Fundstücke präsentiert, ist schließlich so qualitätsbewußt, daß ihm bloße Äußerlichkeiten, die allenfalls für einen Sturm im Wasserglase reichten, nie und nimmer auf die Silber-Platte kämen.
DIE NEUHEIT - Weltersteinspielung
Benjamin Godard (1849-1895)
Klaviertrios op. 32 & 72
Berceuse de Jocelyn
Trio Parnassus
CD: MDG 303 1615-2
(Vertrieb: Codaex Deutschland GmbH)
Weitere Informationen:
www.trioparnassus.com
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