»Haben Sie Dank nochmals für das wohltuende kostbare Geschenk,« flötet Elisabeth von Herzogenberg am 16. Dezember 1890 ihrem langjährigen Vertrauten Johannes Brahms ins Ohr, nachdem sie sein neues Streichquintett G-dur op. 111 gerade der Länge und Breite nach zerpflückt hatte.
Einem weniger selbstbewußten Charakter wäre bei dieser »Rezension« zweifellos der Kragen geplatzt, doch Brahms scheint sich im Innersten einen Spaß mit der »Freundin« und ihrem Ehemann Heinrich gemacht zu haben, denn immer wieder gibt es an dem, was er den beiden noch vor der Drucklegung zusendet, irgendwelche Passagen, die nicht ganz gelungen scheinen – wie im aktuellen Falle zum Beispiel der Anfang des Kopfsatzes, bei dessen Aufführung sich der Cellist Robert Hausmann damals jämmerlich plagen mußte: »Könnten Sie, lieber Meister, die Stelle nicht noch schöner machen? Nachher wird's doch so schön!«
Natürlich geht's schöner! Dann nämlich, wenn man die Freunde ignoriert und die Interpreten austauscht. Zoltan Paulich jedenfalls, der Cellist des Verdi Quartetts, muß nicht »schrummen«, um sich aus der dichten Tremolo-Textur seiner Kolleg(inn)en mit Verve und Wonne herauszuheben, und andererseits muß auch niemand Zuflucht zu jenem unvorschriftsmäßigen mezzoforte nehmen, das der Kritikerin der ersten Stunde der einzige Ausweg schien: Die gebotene Anstrengung ist Teil des Werkes und keine Schikane, ist ein Fehdehandschuh und zugleich der »unwiderrufliche« Entschluß, mit dem Komponieren aufzuhören – mit einem Opus 111 eben dem mühevollen Dasein des Tonkünstlers ein Ende zu machen.

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Und treffender als mit dieser grandiosen Musik hätte der vielgelobte Brahms-Zyklus des Verdi Quartetts nicht zu Ende gehen können:
Wiederum im Zusammenspiel mit den Melos-Musikern Hermann Voss und Peter Buck begegnet der vorläufige Abgesang des Opus 111 (glücklicherweise inspirierte Richard Mühlfelds Klarinette des Meisters Muse auf ein Neues!) dem dreißig Jahre jüngeren, bereits von viel austrophiler Schwärmerei durchzogenen Sextett B-dur op. 18, das die Reihe der reinen Streicherkammermusiken einst eröffnete und schon damals erkennen ließ, daß Johannes Brahms mit Geigen, Bratschen und Celli umgehen konnte.

Johannes Brahms (1833-1897)
Streichsextett B-dur op. 18
Streichquintett G-dur op. 111
Verdi Quartett
mit Hermann Voss, Viola und Peter Buck, Cello
Hänssler CLASSIC CD 98.539
Veröffentlichung: 21. April 2009
(Vertrieb: Naxos Deutschland)
Weitere Informationen:
www.verdi-quartett.de
www.haenssler-classic.de
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