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Ausgabe: Mai 2008

Inhalt:

 

Krzysztof Penderecki am Pult der Bremer Philharmoniker
Uraufführung seines Concerto per corno e orchestra
Der »Bremer Zyklus«
CD/DVD-Dokumentation zur Uraufführung von Sir Peter Maxwell Davies
 
 
 

 

 

 

 

Krzysztof Penderecki und Radovan Vlatkovic im Rathaus Bremen


Krzysztof Penderecki
dirigiert die Bremer Philharmoniker
bei der Uraufführung seines
Concerto per corno e orchestra

Die Avantgarde der fünfziger und sechziger Jahre habe, so erläutert Krzysztof Penderecki, das musikalische Material in einer solchen Vielfältigkeit ausgelotet, daß danach einfach wieder Zeit gewesen sei, „Musik zu schreiben”. Er muß wissen, wovon er redet, denn er war einer der Parade-Avantgardisten seiner polnischen Heimat und der internationalen Szene – und er ist einer jenen großen Geister, die begreifen, wann „es reicht”...

Krzysztof Penderecki hat die Konsequenzen schon vor Jahrzehnten gezogen. Romantische Dinge wie Paradise Lost oder die zweite Symphonie signalisierten, daß er, der selbst in den fortschrittlichsten seiner Werke immer eine spürbare Menschlichkeit an den Tag gelegt hat, nunmehr auf dem Wege war, „seine Musik” zu schreiben, die inzwischen neben vielen großen Stücken geistlichen Inhalts und vielem an Kammermusik in verschiedenen Formationen auch acht Symphonien sowie mehr als ein Dutzend Solokonzerte gezeitigt hat.

Dennoch ist die jüngste Kreation, das Concerto per corno e orchestra, sein erstes Konzert für einen Blechbläser, und zwar auch ganz konkret: für einen bestimmten Blechbläser – den fabelhaften Kroaten Radovan Vlatkovic, den die Bremer Musikfreunde im Jahr 2004 als ihren „Hornisten in residence” kennenlernen durften und dessen vielfach ausgezeichneter Umgang mit dem schwierigen Instrument Penderecki beflügelte, sein Konzert zu komponieren: „Ich schreibe nur für bestimmte Personen – für Freunde, Leute, die ich gern habe oder deren Spiel ich schätze.” Dabei, und auch darauf legen die beiden Hauptakteure der Uraufführung wert, die am Montag, den 5. und Dienstag, den 6. Mai mit den Bremer Philharmonikern in der Glocke stattfinden wird, dabei habe man sich allerdings nicht tage- oder gar monatelang gemeinsam die Köpfe zerbrochen. Eine halbe Stunde war völlig ausreichend: Was sollte man auch lange über Formen, Formeln und Verfahren reden, wo die Fantasie bereits die Schwingen gebreitet hatte und man sich überdies bereits gegenseitig sehr schätzt: Radovan Vlatkovic hat Penderecki schon während seiner Studienzeit bewundert, ihn im Jahre 2000 bei der Uraufführung des Sextetts für Klarinette, Horn, Streichtrio und Klavier persönlich kennengelernt. Für ihn „geht ein Traum in Erfüllung”, begeistert er sich über das Hornkonzert, das im Auftrag der Philharmonischen Gesellschaft für den „Bremer Zyklus” geschrieben wurde, von diesem Status des Autragswerks aber so gar nichts an sich hat.

 

 

10. Philharmonisches Konzert
der Bremer Philharmoniker

»Krzysztof Penderecki live«

Uraufführung des Concerto per corno e orchestra

Mo, 05. und Di, 06. Mai 2008
20.00 Uhr
Glocke Bremen, Großer Saal


Eine Winterreise lautet der Untertitel der Partitur, und das hat „nichts mit Schubert zu tun”, wie Krzysztof Penderecki am 30. April gleich zu Beginn der Pressekonferenz im Bremer Rathaus all jenen ins Stammbuch schreibt, die die Noten womöglich schon nach Reminiszenzen und Zitaten durchsucht haben: „Ich begann im Winter mit dem Werk und ich war viel auf Reisen zu der Zeit, in China, Südamerika und Italien und jeder hat eine Winterreise geschrieben und so sollte dies meine Winterreise werden. Jeder Komponist sollte eine Winterreise haben,” fügt er mit dem fein getönten Humor eines Musikschöpfers hinzu, der sich vollendet auf die Kunst der Nuancen versteht. Und der seine (tonale, linear konzipierte) Musik aus der Musikalität heraus kreiert, wie man deutlich bei den ersten Probenmomenten merkte: Das ist Emotion, nicht Kalkül, Schwung, nicht Metronom ... Herrliche Dialoge mit solistischen Instrumenten des Orchesters, ganz besonders ein herrliches Zusammenwirken des Horns mit den drei Kollegen im Ensemble – „nachdem ich jetzt siebzig Jahre komponiere, weiß ich, was ich schreiben will,” schmunzelt Penderecki.

Die Polonaise für die Großmutter war der Anfang, das Hornkonzert ist lange nicht das Ende. Denn im November wird Krzysztof Penderecki erst 75: „Nobody is perfect”, kommentiert er das bevorstehende Jubiläum. Menschlich halt ...!

Weitere Informationen:
www.bremerphilharmoniker.de

Krzysztof Penderecki und Radovan Vlatkovic nach der ersten Probe

 

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