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Igor Kamenz   Frühling 2007

 


Igor Kamenz Foto: Marco Borggreve


Auf dem Weg in neue Welten
Das erste Beethoven-Album von
Igor Kamenz


Aus den hymnischen Lobesworten und Superlativen, die die internationale Musikkritik bislang für Igor Kamenz formuliert hat, ließe sich leicht ein verbaler Ehrenkranz flechten, der von »ein Titan des Klaviers« (International Piano) bis zu »extraterrestrische Musikalität ... unglaubliche Schönheit« (FAZ) reichte und doch nichts über die tatsächlichen Ereignisse verriete, oder eine auch nur annähernde Vorstellung von der Kunst des inzwischen 39jährigen Pianisten und Dirigenten aus Sibirien vermitteln könnte. Glühendste Formulierungen bleiben da im theoretischen Graubereich stecken ...

Der aus Chabarowsk stammende, zunächst an der Jugendmusikschule und dem Konservatorium von Nowosibirsk ausgebildete Kamenz dirigierte bereits mit zehn Jahren vor Breschnew das Bolschoi-Orchester im Kreml und machte bald darauf mit einer Reihe von Konzerten auf sich aufmerksam, in denen er Werke der großen symphonischen Literatur zur Aufführung brachte, indessen er sich auch als pianistisches Wunderkind etablierte – was sich in der statistisch beeindruckenden Zahl von 18 internationalen Wettbewerbssiegen widerspiegelt.

 


Ludwig van Beethoven
Klaviersonaten Nr. 7 in D-dur op. 10 Nr. 3,
Nr. 14 cis-moll op. 27 Nr. 2 Mondschein,
Nr. 9 E-dur op. 14 Nr. 1
und Nr. 23 in f-moll op. 57 Appassionata
Igor Kamenz, Klavier
OEHMS CLASSICS OC 587
(Vertrieb: Harmonia Mundi, Eppelheim)

Die wirkliche Eindruck läßt sich, so verführerisch es auch wäre, weder in Zahlen noch Statistiken umreißen, wie Igor Kamenz soeben wieder mit seinem ersten, bei Oehms Classics erschienenen Beethoven-Album besonders eindringlich demonstriert. Der flüchtige Blick aufs Programm sagt eigentlich nichts: Zwei eher selten aufgeführte Sonaten (D-dur op. 10 Nr. 3 und E-dur op. 14 Nr. 1) stehen neben Mondschein und Appassionata, bilden also, so könnte man denken, eines jener Recitals, in denen die Evergreens als Lokomotive unterbelichteten Repertoires benutzt werden. Diese Vorstellung ist ebenso irrig wie der erste Höreindruck: Wenn Igor Kamenz Beethoven spielt, wirkt das für das unvorbereitete Ohr zunächst wie die spontane Entfesselung aller nur denkbaren Subjektivismen; bald aber wird man bemerken, daß selbst die kleinste Atempause so genau kalkuliert ist wie der kräftigste Akkordspritzer, jede dynamische Kreuzblende zwischen den Stimmen, jede Anschlagsnuance mit geradezu klassischer Souveränität gesetzt werden – und auf einmal ist selbst die Durchführung aus dem Kopfsatz der E-dur-Sonate ein Erlebnis, das keine »Hilfskräfte« braucht, sondern die ganze Größe ihres Schöpfers zwar mit zugänglicheren, keineswegs aber minderen Mitteln reflektiert. Daß derselbe am Ende der Appassionata offenbar vorhat, als nächstes die fünfte Sonate von Alexander Skrjabin zu schreiben, will da schon gar nicht mehr überraschen. Doch hören Sie selbst!

 

KONZERTTERMINE
20.04.07 Freiburg Universität,
Aula
Werke von Beethoven, Ravel, Schumann
05.05.07 Berlin, Französische Friedrichstadtkirche, Gendarmenmarkt Werke von Beethoven, Ravel, Schumann
23.07.07 Freiburg,
Historisches Kaufhaus
 
06.10.07 Berlin, Konzerthaus,
Kleiner Saal
Galakonzert von Laur | mit Igor Kamenz
10.12.07 Berlin, Französische Friedrichstadtkirche, Gendarmenmarkt Werke von Beethoven, Debussy, Ravel, Balakirew
12./13.01.08 Nordhausen/
Sondershausen

Chopin: Klavierkonzert Nr. 11 e-Moll op. 11

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