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Kölner Kammerorchester   Februar/März 2006

 


Ariadne Daskalakis (Foto: © Frank Niemetz)
Nur nicht den Faden verlieren – oder:
Ariadne auf Naxos

Das Kölner Kammerorchester mit zwei Ersteinspielungen
von Tartini

Daß Giuseppe Tartini gelegentlich mit dem Leibhaftigen Umgang gepflogen, ist hinlänglich bekannt: Seine Teufelstriller-Sonate ist entstehungsgeschichtlich zumindest nach den Aussagen ihres Verfassers eines der berühmtesten Stücke, das sich der direkten Anleitung des Höllenfürsten verdankt, obwohl der aus Istrien stammende Komponist und Geiger zunächst eine geistliche Ausbildung erfuhr. Das hat freilich noch keinen wahren Künstler gehindert, sich mit dem »Gottseibeiuns« einzulassen, und auch im Falle Tartinis scheint sich der diabolische Einfluß nicht auf den einmaligen Triller beschränkt zu haben, wie einige Solopartien der fünf Violinkonzerte vermuten lassen, die das Kölner Kammerorchester unter der Leitung des studierten Theologen und Geigers Helmut Müller-Brühl in der vorliegenden Aufnahme begleiten.

Solistin der Produktion ist die an der Kölner Musikhochschule lehrende Ariadne Daskalakis, die im Laufe ihrer bisherigen internationalen Karriere ganz besonders als Kammermusikerin auf sich aufmerksam gemacht und durch eine Reihe höchst bemerkenswerter Einspielungen einen großen Eindruck hinterlassen hat. Erwähnt sei an dieser Stelle noch die Tudor-Gesamtaufnahme der fünf Violinsonaten von Joseph Joachim Raff, deren zweiter und letzter Teil in den nächsten Wochen erscheinen wird, sowie das faszinierende Barockalbum Violino Arioso mit englischen »Grounds«, einer programmatischen Sonate von Heinrich Ignaz Franz Biber und der d-moll Partita von Johann Sebastian Bach.

Für die aktuelle CD-Neuheit ist das Kölner Kammerorchester ein meisterlicher Partner. Nicht umsonst hat das Ensemble in der Zeit von 1976 bis 1986 in einer Barockformation als Capella Clementina auf historischen Instrumenten gespielt. Die Musiker unter Helmut Müller-Brühl setzten schon damals Maßstäbe in ihrem Bemühen um möglichst authentische Klangerlebnisse. So ist ihnen die Wiederentdeckung des Oratoriums San Giovanni Battista von Alessandro Stradella zu verdanken, und so sind auch hier zwei Ersteinspielungen aus dem Schaffen Tartinis zu verzeichnen. Das Orchester setzt bei den fünf Violinkonzerten von Giuseppe Tartini dezente, nuancenreiche Kommentare, derweil der eigentliche Handlungsfaden dieser Monodramen der Solostimme überlassen ist, deren Klangrede in allen Affekten schillert, von denen die Meister des Barock Kenntnis hatten.

Giuseppe Tartini (1692-1770)
Concerto E D.50 - Ersteinspielung
Concerto A D.96, Concerto G D.80
Concerto h D.125
Concerto D D.28 - Ersteinspielung
Ariadne Daskalakis, Violine
Kölner Kammerorchester
Leitung: Helmut Müller-Brühl
NAXOS 8.551243

Backkatalog Ariadne Daskalakis



Violino Arioso – Werke von Matteis, Biber, Baltzar, Corelli und Bach
Helene Lerch, Cembalo und Gabriella Stümpel, Cello
Ariadne Daskalakis, Violine
Tudor 7081 (VÖ bereits 2000)



Joseph Joachim Raff - Violinsonaten Nr. 1, 3 & 4

Roglit Ishay, Klavier und Ariadne Daskalakis, Violine
Tudor 7122 (Folge 1, VÖ bereits 2004)

Weitere Informationen:
www.koelnerkammerorchester.de

 


 

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