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Laufe seines Lebens hat sich Hans Werner Henze immer für
jene Menschen eingesetzt, die ihm unterprivilegiert erschienen.
Damit meinte er nicht jene „Armen”, die es wohl in
jeder Gesellschaft gibt und die von entsprechenden Institutionen
aufgefangen werden. Sondern vielmehr solche, denen es aufgrund
sozialer Schieflagen nicht möglich war, ihre tatsächlichen
Fähigkeiten zu entfalten, ihrem Streben nach Bildung, Wissen,
künstlerische Betätigung zufriedenstellend nachzukommen.
Für
einen Komponisten, der nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren
bald schon mit den ersten großen Werken von sich reden machte
und vom Establishment hofiert wurde; für einen Musiker, der
im Laufe seines jetzt achtzig Jahre währenden Lebens zu einem
der überragenden deutschen Symphoniker und Opernkomponisten
unserer Zeit, zu einem „Leuchtturm” gar, wie unlängst
eine Fachzeitschrift titelte, geworden ist: Für einen solchen
Künstler hätte es vermutlich bequemere Wege gegeben,
mit den eigenen Talenten zu wuchern.
Doch
ihm ging es nie nur um die persönliche Anerkennung, sondern
immer auch ganz besonders um übergreifende, gewissermaßen
gesellschaftlich relevante Kreation, und so ist es kein Wunder,
daß er sich immer wieder auch für die Musikausübung
von Kindern und Jugendlichen engagiert, sie selbst auf seine ganz
persönliche Weise ermöglicht hat. So entstand Ende der
siebziger Jahre, während Henze zumindest gedanklich mit verschiedenen
Großprojekten wie der Englischen Katze, der Bearbeitung
von Monteverdis Ritorno d’Ulisse und der siebten
Symphonie beschäftigt war, eine neue Kinderoper, die nach
einem Vierteljahrhundert – wie so vieles aus dem Œuvre
des Künstlers – zum Klassiker geworden ist.
Pollicino,
die neu interpretierte Geschichte vom Däumling, war zunächst
ein ganz lokales Ereignis. Vor genau dreißig Jahren –
ein Jubiläum auch dies – gründete Henze in Montepulciano
den Cantiere Internazionale d'Arte. Seiner Überzeugung
folgend, wonach ihm künstlerische Kadetten einfach lieber
seien als militärische, initiierte er wenig später den
„Concentus Politianus”, eine Musikschule für
Kinder. Und für sie komponierte er seine „erste italienische
Oper”, wie er mit einem gewissen augenzwinkernden Stolz
seinem damaligen Tagebuch anvertraute: „Stelle mir beim
Schreiben lebhaft die wilden Politianer Kinder vor, wie ich sie
kenne, und hoffe den richtigen Ton zu treffen und es nicht zu
schwer sing- und spielbar zu machen.”
Das
ist Hans Werner Henze definitiv gelungen. Nach der – seiner
Beschreibung nach kindlich-chaotischen, gleichwohl umjubelten
– Premiere vom 2. August 1980 hat die Kinderoper die Herzen
der kleinen und großen Zuschauer und Mitspieler erobert.
Was zunächst und in erster Linie natürlich den fantasievollen
musikalischen Lösungen mit all ihren Anspielungen an traditionelle
Formen der „Spielbarkeit” und „Sangbarkeit”
der Musik zuzuschreiben ist – dann aber auch der Tatsache,
daß sich dieses Stück von seinem zeitgebundenen ideologischen
Hintergrund
lösen und „interpretieren” läßt. Erst
damit entsteht, wie bei jedem echten Kunstwerk, der wirkliche
Spielraum, über den letztlich nicht einmal mehr der Komponist
zu regieren hat: Wenn das geschehen ist, gehört seine Schöpfung
der Welt ...
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Deshalb
bringen die Neusser Musicalwochen im zehnten Jahr ihres Bestehens
dieses Werk auf die Bühne des Neusser Globe: Hier
ist der Pollicino am 2., 3. und 9. September jeweils
ab 19.30 Uhr sowie am 10. September ab 15.00 Uhr zu sehen. Doch
dann wird die Oper, die Hans Werner Henze vor gut fünfundzwanzig
Jahren für die Kinder von Montepulciano schrieb, an den
Ort ihrer Uraufführung zurückkehren. Eingeladen von
der seit fünf Jahren aktiven Europäischen Akademie,
werden die Neusser Ausführenden ihre Produktion am 16.
September 2006 ab 21.15 Uhr und am nächsten Tag ab 17.00
im Teatro Montepulciano vorstellen – an just
demselben Ort, von wo aus der Pollicino die Kinderherzen
und die Welt eroberte, wo seit vielen Jahren ein berühmtes
Festival stattfindet und wo wohl auch der soeben achtzig Jahre
alt gewordene Schöpfer des Stückes seine Kreation
wieder einmal wird miterleben können.
Premiere:
2. September 2006, 19.30 Uhr im Globe Theater Neuss
Weitere Termine: 3., 9. (19.30 Uhr) und 10. September (15.00
Uhr), Globe Theater Neuss
16. und 17. September im Teatro Poliziano, Montepulciano / Italien
Neben
den professionellen Musikern und Schauspielern sind über
60 Kinder und Jugendliche im Orchestergraben sowie auf der Bühne
an der Aufführung beteiligt.

Henze
mit den Kindern der Uraufführung in Montepulciano ©
Schott Musik
| Vorverkaufsstellen
in Neuss: |
Platten
Schmidt, Theodor Heuss Platz 7, Tel.: 02131 24554
Tourist Information, Büchel 6, Tel.: 02131 273242
Rheinisches Landestheater, Oberstr. 96, Tel.: 02131 269933
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mit NRW Ticket System (zzgl. 12% Vorverkaufsgebühr)
Im Internet erhalten Sie Karten bei Ticket Online.de (hier
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Vorverkauf
für Montepulciano |
(Pollicino):
www.palazzoricci.info
hensen@mhs koeln.de – Tel. 0221 912818216 |
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Für
weitere Informationen:
www.neusser-musicalwochen.de |
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