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10 Jahre Neusser Musicalwochen   August / Septemberi 2006

 


Happy End
 
Happy End
Komödie mit Musik von Bertolt Brecht, Dorothy Lane & Kurt Weill
„Ach sie fragen nach dem Weltbild?
Das ist Hollywoodlich, wie vermutlich“

Am 31. August 1928 errangen Bertolt Brecht und Kurt Weill im Berliner Theater am Schiffbauerdamm einen Erfolg, wie ihn die musikalische Welt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatte: Ihre gemeinsame „Aktualisierung” der englischen Beggar’s Opera von John Gay und Christoph Pepusch wurde als Dreigroschenoper zu einem Triumph, der sich praktisch bis heute überall wiederholt, wo die pfiffige Musik mit den frechen Texten erklingt.

War es da ein Wunder, daß das Autorengespann den Vorgang möglichst bald wiederholen wollte? So links kann vermutlich gar kein Herz schlagen, daß es vor der rechten Menge Goldes nicht kapitulierte ...

Doch es kam, wie’s kommen mußte: Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Sensation gab es am 2. September 1929 im selben Theater für das neue Stück kein wirkliches Happy End, und das paradoxerweise ausgerechnet mit einem durchaus witzigen und spannenden Gangsterstück, das das damals schon florierende Hollywood-Gewerbe auf die Schippe nehmen sollte. Man darf eben nie das Publikum unterschätzen, das immer zugleich zwei unvereinbare Dinge will: Die alten, vertrauten Elemente und auf keinen Fall – die alten, vertrauten Elemente. Davon wissen Komponisten, Romanciers, Filmemacher und Seifenopernsieder, kurz alle, die irgendwie schöpferisch tätig sind, ein Lied zu singen.

Bald achtzig Jahre sind inzwischen seit der Premiere de Gangsterstücks vergangen, an dem Stars wie James Cagney, Edward G. Robinson oder Barbara Stanwyck gewiß ihr Vergnügen gehabt hätten. Man stelle sich nur vor: Chicago in den zwanziger Jahren, die Hochburg der Kriminalität. Mit eiserner Faust regiert hier „Fliege”, die Dame in Grau: Wer gegen ihre Anordnungen verstößt, den bittet sie um Feuer – mit dem Ergebnis, daß er es auch bekommt wie beispielsweise Governor, der anscheinend bei der Verschiebung geklauter Autos zuviel in die eigene Tasche verschoben hat.

Der Welt der Bösen stehen, wie sich’s für Hollywood gehört, die Guten gegenüber. Und das sind hier die Gefolgsleute des Generals William Booth, will sagen: männliche und weibliche Heilsarmisten, die mit ihrer Bewegung und einigem Eifer versuchen, die Gauner, Gangster und Ganoven auf den rechten Weg zu führen. Dabei gerät zunächst Lieutenant Lilian der Liebe wegen auf die schiefe Bahn; falsche Alibis für den geliebten Bill und zum Zwecke der Strafvereitelung; beginnende Trunksucht; dazu die Machenschaften der grauen „Fliege” – es scheint, als gäbe es aus dem Teufelskreis kein Entrinnen. Doch es gibt ja den altbewährten Deus ex machina, den die Drehbuchautoren längst wiederentdeckt und zur Freude des internationalen Kinopublikums immer wieder eingesetzt haben. Deshalb heißt das Stück ja schließlich auch so, wie es heißt: Wenn das Happy End erreicht ist, reitet zwar nicht der Cowboy in die Abendsonne; dafür aber sind alle Bösewichte in die Heilsarmee eingetreten, ein Toter wieder auferstanden, und die „Fliege” hat ihren lange verschollenen Ehemann wiedergefunden.


Zwangsläufig steht die Musik diesem Glück in nichts nach. Ohne Frage ist Lilians Ballade vom Sarabaya-Johnny das Evergreen, doch auch der Bilbao-Song, das Lied von der harten Nuß und der Sailor Tango haben längst ihr Happy End erlebt.

Premiere: 23. September 2006, 19.30 Uhr im Globe Theater Neuss
Weitere Termine jeweils um 19.30 Uhr: 27., 29. und 30. September sowie 2. und 7. Oktober


Happy End
von Bertolt Brecht, Dorothy Lane und Kurt Weill
Komödie mit Musik

Regie: Theo Meller
Musikalische Leitung: Ralf Beckers
Bühne und Kostüme: Klaus Richter
Regieassistenz: Tanja Emmerich
Technik: German Gruschwitz
Stimmbildung: Frank Rainer Röbling

Darsteller
Falk Grossmann
Vanessa Harbrecht
Nadim Hussain
Alkan Kara
Stephan Koch
Fabian Koglin
Arlen Konietz
Susanne Lemke
Claudia Schäfer
Franka Johanna Schrörs
Ralf Steigels
Sean Raschke
Karolin Stern

Musiker
Sebastian Heinen
Markus Hüsemann
Jens Thomé
Sabrina Karmes
Jens Oerding
Joachim Borkmann
 
Vorverkaufsstellen in Neuss

Platten Schmidt, Theodor Heuss Platz 7, Tel.: 02131 24554 / Tourist Information, Büchel 6, Tel.: 02131 273242
Rheinisches Landestheater, Oberstr. 96, Tel.: 02131 269933
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Für weitere Informationen:
www.neusser-musicalwochen.de


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