| Am
31. August 1928 errangen Bertolt Brecht und Kurt Weill im Berliner
Theater am Schiffbauerdamm einen Erfolg, wie ihn die musikalische
Welt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatte: Ihre gemeinsame
„Aktualisierung” der englischen Beggar’s Opera
von John Gay und Christoph Pepusch wurde als Dreigroschenoper
zu einem Triumph, der sich praktisch bis heute überall wiederholt,
wo die pfiffige Musik mit den frechen Texten erklingt.
War
es da ein Wunder, daß das Autorengespann den Vorgang möglichst
bald wiederholen wollte? So links kann vermutlich gar kein Herz
schlagen, daß es vor der rechten Menge Goldes nicht kapitulierte
...
Doch
es kam, wie’s kommen mußte: Fast auf den Tag genau
ein Jahr nach der Sensation gab es am 2. September 1929 im selben
Theater für das neue Stück kein wirkliches Happy End,
und das paradoxerweise ausgerechnet mit einem durchaus witzigen
und spannenden Gangsterstück, das das damals schon florierende
Hollywood-Gewerbe auf die Schippe nehmen sollte. Man darf eben
nie das Publikum unterschätzen, das immer zugleich zwei unvereinbare
Dinge will: Die alten, vertrauten Elemente und auf keinen Fall
– die alten, vertrauten Elemente. Davon wissen Komponisten,
Romanciers, Filmemacher und Seifenopernsieder, kurz alle, die
irgendwie schöpferisch tätig sind, ein Lied zu singen.
Bald
achtzig Jahre sind inzwischen seit der Premiere de Gangsterstücks
vergangen, an dem Stars wie James Cagney, Edward G. Robinson oder
Barbara Stanwyck gewiß ihr Vergnügen gehabt hätten.
Man stelle sich nur vor: Chicago in den zwanziger Jahren, die
Hochburg der Kriminalität. Mit eiserner Faust regiert hier
„Fliege”, die Dame in Grau: Wer gegen ihre Anordnungen
verstößt, den bittet sie um Feuer – mit dem Ergebnis,
daß er es auch bekommt wie beispielsweise Governor, der
anscheinend bei der Verschiebung geklauter Autos zuviel in die
eigene Tasche verschoben hat.
Der
Welt der Bösen stehen, wie sich’s für Hollywood
gehört, die Guten gegenüber. Und das sind hier die Gefolgsleute
des Generals William Booth, will sagen: männliche und weibliche
Heilsarmisten, die mit ihrer Bewegung und einigem Eifer versuchen,
die Gauner, Gangster und Ganoven auf den rechten Weg zu führen.
Dabei gerät zunächst Lieutenant Lilian der Liebe wegen
auf die schiefe Bahn; falsche Alibis für den geliebten Bill
und zum Zwecke der Strafvereitelung; beginnende Trunksucht; dazu
die Machenschaften der grauen „Fliege” – es
scheint, als gäbe es aus dem Teufelskreis kein Entrinnen.
Doch es gibt ja den altbewährten Deus ex machina, den die
Drehbuchautoren längst wiederentdeckt und zur Freude des
internationalen Kinopublikums immer wieder eingesetzt haben. Deshalb
heißt das Stück ja schließlich auch so, wie es
heißt: Wenn das Happy End erreicht ist, reitet zwar nicht
der Cowboy in die Abendsonne; dafür aber sind alle Bösewichte
in die Heilsarmee eingetreten, ein Toter wieder auferstanden,
und die „Fliege” hat ihren lange verschollenen Ehemann
wiedergefunden.
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Zwangsläufig
steht die Musik diesem Glück in nichts nach. Ohne Frage
ist Lilians Ballade vom Sarabaya-Johnny das Evergreen, doch
auch der Bilbao-Song, das Lied von der harten Nuß und
der Sailor Tango haben längst ihr Happy End erlebt.
Premiere:
23. September 2006, 19.30 Uhr im Globe Theater Neuss
Weitere Termine jeweils um 19.30 Uhr: 27., 29. und 30. September
sowie 2. und 7. Oktober

| Happy
End
von Bertolt Brecht, Dorothy Lane und Kurt Weill
Komödie mit Musik |
| Regie:
Theo Meller
Musikalische Leitung: Ralf Beckers
Bühne und Kostüme: Klaus Richter
Regieassistenz: Tanja Emmerich
Technik: German Gruschwitz
Stimmbildung: Frank Rainer Röbling |
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Darsteller
Falk Grossmann
Vanessa Harbrecht
Nadim Hussain
Alkan Kara
Stephan Koch
Fabian Koglin
Arlen Konietz
Susanne Lemke
Claudia Schäfer
Franka Johanna Schrörs
Ralf Steigels
Sean Raschke
Karolin Stern |
Musiker
Sebastian Heinen
Markus Hüsemann
Jens Thomé
Sabrina Karmes
Jens Oerding
Joachim Borkmann |
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| Vorverkaufsstellen
in Neuss |
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Platten Schmidt, Theodor Heuss Platz 7, Tel.: 02131 24554
/ Tourist Information, Büchel 6, Tel.: 02131 273242
Rheinisches Landestheater, Oberstr. 96, Tel.: 02131 269933
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Für
weitere Informationen:
www.neusser-musicalwochen.de |
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