Auch
wer die mittlerweile beinahe dreißigjährige Laufbahn
des Linos Ensembles mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, ist immer
wieder verblüfft über die enorme musikalische Spannweite,
die das Ensemble trotz (oder gerade wegen) seiner demokratischen
Struktur beherrscht. Eben noch eine konzertante Darbietung des
Pierrot lunaire von Arnold Schönberg, der die Virtuosität
der Musiker bis zum äußersten fordert, dann in denkbar
reduzierter Besetzung Mozarts Kegelstatt-Trio —
oder der Schwenk hinüber ins Studio, wo mit dem Halbromantiker
Ferdinand Ries erneut ein Komponist zu Worte kommt, der nicht
zuletzt deshalb bis heute als Leuchte unter dem historischen Scheffel
steht, weil er das Glück und Pech hatte, Schüler eines
Titanen gewesen zu sein, an dem er sich fatalerweise wohl ewig
wird messen lassen müssen.
Anders aber als in seinen (inzwischen bei cpo erschienenen)
Symphonien, die in erheblichem Maße Ludwig van Beethovens
übermächtigem Einfluß verraten, bewegt sich die
Kammermusik in recht originellen Bahnen. Das hören wir beispielsweise
in den Klaviertrios oder auch in den beiden hier vom Linos Ensemble
eingespielten größeren Kammermusiken aus den Jahren
1808 bzw. 1816: Sowohl das Grand Septuor op. 25 für
Klavier, Klarinette, zwei Hörner (!), Violine, Violoncello
und Kontrabaß als auch das Oktett op. 128 für
Klavier, Klarinette, Horn, Fagotte, Violine, Viola, Violoncello
und Kontrabaß knüpfen zwar gedanklich an die »Mutter
aller Septette« an, doch anders als Beethoven in seinem
Opus 20 komponierte Ries hier zwei regelrechte Kammerkonzerte.
Deshalb ist es auch durchaus angenommen, Konstanze Eickhorst,
die langjährige Pianistin des Ensembles, in dieser Aufnahme
— wie schon zuvor bei den Septetten von Alexander Fesca
(cpo 999 617-2) — als Solistin zu apostrophieren: Ferdinand
Ries war selbst ein vorzüglicher Pianist und betrachtete
seine handlich besetzten »Konzerte« für sieben
oder acht Spieler sicherlich als die ideale Reiseliteratur, um
seinem Publikum auch in Ermangelung ausgewachsener Orchester demonstrieren
zu können, was in seinen Beethoven-geschulten Händen
steckte. Uns bietet die neue Produktion eine weitere große
Entdeckung und somit eine unverwechselbare Spezialität des
einzigartigen Linos Ensembles.

Ferdinand
Ries
Grand Septuor op. 25 . Grand Otetto op. 128
cpo 999 937-2
Linos Ensemble
(Der Endverbraucher kann die Produktion über den jpc-Mailorder-Service
bestellen,
Tel: 0180-525 1717 — 0,12 Euro / Minute oder im Internet
www.jpc.de)
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Fotograph:
Frank-Martin Müller
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KONZERTÜBERSICHT
2005
LINOS ENSEMBLE |
| 05.07.2005 |
Hamm
Werke von Debussy und Françaix |
| 17.09.2005 |
Maulbronn
Werke von Debussy und Françaix |
| 21.09.-2.10. |
Korea-Tournee |
| KONZERTÜBERSICHT
2005
Konstanze Eickhorst |
| 22.06.2005 |
Wolfenbüttel,
mit Karl Michael Vogler
Werke von Robert und Clara Schumann |
| 18.09.2005 |
Koblenz
Mendelssohn, Konzert g-moll |
| 13.10.2005 |
Borstel
Werke von Mendelssohn, Brahms, Schumann |
| 14.10.2005
|
Stuhr
Werke von Mendelssohn, Brahms, Schumann |
| 19.10.2005 |
Mannheim
Werke von Mendelssohn, Brahms, Schumann |
| 30.10.2005 |
Remscheid,
mit Karl Michael Vogler
Werke von Robert und Clara Schumann |
| 25.11.2005
|
Düsseldorf
Werke von Mendelssohn, Brahms, Schumann |
| 20.10.2005 |
Erlangen,
Recital |
| 05.11.2005 |
Bonn,
mit Karl Michael Vogler
Werke von Robert und Clara Schumann |
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