| Seit
Mitte der neunziger Jahre hat das Kölner Kammerorchester
unter Helmut Müller-Brühl einen stattlichen Katalog
an CDs für das Label Naxos eingespielt. Im Rahmen dieser
in Koproduktion mit dem DeutschlandRadio entstandenen Aufnahmen
erschien 2004 eine Einspielung der Messe h-moll BWV 232 von Johann
Sebastian Bach, die einerseits an das opulente, im Bach-Jahr 2000
geschnürte Paket sämtlicher Orchesterwerke und Konzerte
anknüpfte und andererseits bereits die kommenden Aktivitäten
in Sachen des Köthener Hofkapellmeisters und Leipziger Thomaskantors
ankündigte: Eine auf vier CDs angelegte Produktion der geistlichen
Solokantaten, an deren Zustandekommen und hohen künstlerischen
Qualität dieselben Sänger(innen) beteiligt sind, die
auch in der monumentalen katholischen Messe zu hören sind.
Die Welt der Bach-Kantaten scheint dem modernen Menschen unendlich
fern: Wer nicht gerade suizidgefährdet ist, wird der immer
wieder deutlich ausgesprochenen Freude auf den Tod gern aus dem
Wege gehen. Ein freudiger Abschied aber nach einem ausgeschrittenen,
vollendeten Leben ist es, den Bach im Sinn hat, wenn er seinen
Baßsolisten Ich habe genug oder Ich will den
Kreuzstab gerne tragen singen läßt: Hätte
er’s anders empfunden und geglaubt, er hätte sicherlich
nicht solch glühende und schöne Töne gefunden,
sondern die Hände in den Schoß gelegt ...
Neben den Kantaten für Baßstimme mit Hanno Müller-Brachmann
ist soeben auch die zweite Folge der Serie erschienen, die nun
mit Werken für Solo-Alt bzw. Solo-Tenor (Marianne Beate Kielland
und Markus Schäfer) andere Facetten des Christenmenschen
Johann Sebastian Bach darstellt: den reuigen Sünder, der
vom rechten Pfad abgekommen ist, und den an Geist und Seele verwirrten
Gläubigen, der staunend vor der Unbegreiflichkeit Gottes
steht. Daß Bach dieses Staunen musikalisch in ein geistliches
Konzert für Altstimme und Orgel nach einem eigenen Oboenkonzert
kleidet, ohne sich als armer Sündenknecht zu fühlen
— das zeigt letztlich nur, daß alle Musik »zur
Ehre Gottes« war, wenn nur der »Creator spiritus«
die Feder führte.

Johann
Sebastian Bach
Geistliche Solokantaten, Folge 1
Ich will den Kreuzstab gerne tragen BWV 56
Ich habe genug BWV 82
Der Friede sei mit dir BWV 158
Hanno Müller-Brachmann
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.557616D

Johann
Sebastian Bach
Geistliche Solokantaten, Folge 2
Geist und Seele BWV 35
Ich armer Mensch BWV 55
Ich weiß BWV 160 (Telemann-Bach zugeschrieben)
Meine Seele BWV 189 (Hoffmann-Bach zugeschrieben)
Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.557615D

Johann
Sebastian Bach
Messe h-moll BWV 232
Sunhae Im, Marianne Beate Kielland, Ann Hallenberg,
Markus Schäfer, Hanno Müller-Brachmann
Dresdner Kammerchor • Kölner Kammerorchester
Leitung: Helmut Müller Brühl
NX 8.551219-20 (VÖ: 2004)
|
|
Nachdem
sich das Kölner Kammerorchester von 1976 bis 1986 unter
dem Namen Capella Clementina — so benannt nach
dem äußerst kunstsinnigen Kölner Kurfürsten
Clemens August (1700-1761) — ausschließlich mit
alten Instrumenten um die Wiederbelebung historischer Aufführungspraktiken
bemüht hatte, war ein Bogen ausgeschritten, und so wurde
beschlossen, fortan die gewonnenen Erfahrungen auf das traditionelle
Klanggerät zu übertragen, um wieder die Kompatibilität
mit »modernen« Instrumentalisten zu erreichen und
ein möglichst großes Publikum mit den stilistischen
Errungenschaften bekannt zu machen.
Wie faszinierend es klingt, wenn man beispielsweise ein Streicherspiel
mit reduziertem, bewußt eingesetztem Vibrato, traditionelles
Instrumentarium und für heutige Begriffe kleine Besetzungen
miteinander verbindet, verraten nicht nur die Zuschauerzahlen
und Tonträgerproduktionen, sondern vor allem natürlich
die klingenden Resultate.
Nirgends wird das deutlicher als bei den Orchesterwerken Ludwig
van Beethovens, deren sich Helmut Müller-Brühl und
das Kölner Kammerorchester jetzt erneut angenommen haben.
Nach den ersten beiden Symphonien gibt es jetzt eine »heroische«
CD mit den Ouvertüren zu Die Geschöpfe des Prometheus,
Coriolan und Egmont sowie eine Eroica,
die gewiß dazu einlüde, Beethoven »vom Kopf
auf die Füße zu stellen«, wie man das in einigen
Kreisen versucht. Hier aber klingt die Musik so natürlich
in Wesen und Gestaltung, als sei sie eben erst entstanden, nicht,
als müsse das Rad der Geschichte zurückgedreht werden.

Ludwig
van Beethoven
Symphonie Nr. 3 Es-dur op. 33 Eroica • Ouvertüren
zu
Die Geschöpfe des Prometheus • Egmont • Coriolan
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.551229
* Bereits ausgezeichnet durch den SUPERSONIC-Award
des luxemburgischen Fachmagazins pizzicato *

Ludwig
van Beethoven
Symphonien Nr. 1 und Nr. 2
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.551099 (VÖ: 2003)
KÖLNER
KAMMERORCHESTER
INTERPRETATIONSKURS SOMMER 2005 |
|
Zum
ersten Mal geben Solisten des Kölner Kammerorchesters
unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl einen
Interpretationskurs. In der sommerlichen Atmosphäre
der italienischen Schweiz und von Montepulciano geben
die Dozenten des Kölner Kammerorchesters ihre Erfahrung
in der historisch orientierten Aufführungspraxis
auf neuen Instrumenten an interessierte Musikstudenten
weiter.
|
| Interpretationskurs
für Sänger und Instrumentalisten
zur Erlangung eines guten Geschmacks
»bon goût«
für die Interpretation Alter Musik
auf modernen Instrumenten
|
|
|
|
|
| Dozenten |
|
Prof.
Barbara Schlick (Ticino Musica), Gesang
Daniel Rothert, Blockflöten
Prof. Christian Hommel, Oboe
Prof. Gerhard Peters, Violine
Mercedes Ruiz (Montepulciano), Violoncello
Prof. Robert Hill (Ticino Musica), Tasteninstrumente
Prof. Harald Hoeren (Montepulciano), Tasteninstrumente
Helmut Müller-Brühl, Ensemblespiel
|
|