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Kölner Kammerorchester   Juni/Juli 2005

 

Musikalisch erfüllte Zeit
Johann Sebastian Bachs geistliche Solokantaten
Natürlich in Wesen und Gestaltung
Das Kölner Kammerorchester mit Beethoven

Seit Mitte der neunziger Jahre hat das Kölner Kammerorchester unter Helmut Müller-Brühl einen stattlichen Katalog an CDs für das Label Naxos eingespielt. Im Rahmen dieser in Koproduktion mit dem DeutschlandRadio entstandenen Aufnahmen erschien 2004 eine Einspielung der Messe h-moll BWV 232 von Johann Sebastian Bach, die einerseits an das opulente, im Bach-Jahr 2000 geschnürte Paket sämtlicher Orchesterwerke und Konzerte anknüpfte und andererseits bereits die kommenden Aktivitäten in Sachen des Köthener Hofkapellmeisters und Leipziger Thomaskantors ankündigte: Eine auf vier CDs angelegte Produktion der geistlichen Solokantaten, an deren Zustandekommen und hohen künstlerischen Qualität dieselben Sänger(innen) beteiligt sind, die auch in der monumentalen katholischen Messe zu hören sind.
Die Welt der Bach-Kantaten scheint dem modernen Menschen unendlich fern: Wer nicht gerade suizidgefährdet ist, wird der immer wieder deutlich ausgesprochenen Freude auf den Tod gern aus dem Wege gehen. Ein freudiger Abschied aber nach einem ausgeschrittenen, vollendeten Leben ist es, den Bach im Sinn hat, wenn er seinen Baßsolisten Ich habe genug oder Ich will den Kreuzstab gerne tragen singen läßt: Hätte er’s anders empfunden und geglaubt, er hätte sicherlich nicht solch glühende und schöne Töne gefunden, sondern die Hände in den Schoß gelegt ...
Neben den Kantaten für Baßstimme mit Hanno Müller-Brachmann ist soeben auch die zweite Folge der Serie erschienen, die nun mit Werken für Solo-Alt bzw. Solo-Tenor (Marianne Beate Kielland und Markus Schäfer) andere Facetten des Christenmenschen Johann Sebastian Bach darstellt: den reuigen Sünder, der vom rechten Pfad abgekommen ist, und den an Geist und Seele verwirrten Gläubigen, der staunend vor der Unbegreiflichkeit Gottes steht. Daß Bach dieses Staunen musikalisch in ein geistliches Konzert für Altstimme und Orgel nach einem eigenen Oboenkonzert kleidet, ohne sich als armer Sündenknecht zu fühlen — das zeigt letztlich nur, daß alle Musik »zur Ehre Gottes« war, wenn nur der »Creator spiritus« die Feder führte.

Johann Sebastian Bach
Geistliche Solokantaten, Folge 1
Ich will den Kreuzstab gerne tragen BWV 56
Ich habe genug BWV 82
Der Friede sei mit dir BWV 158
Hanno Müller-Brachmann
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.557616D

Johann Sebastian Bach
Geistliche Solokantaten, Folge 2
Geist und Seele BWV 35
Ich armer Mensch BWV 55
Ich weiß BWV 160 (Telemann-Bach zugeschrieben)
Meine Seele BWV 189 (Hoffmann-Bach zugeschrieben)
Marianne Beate Kielland, Markus Schäfer
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.557615D

Johann Sebastian Bach
Messe h-moll BWV 232
Sunhae Im, Marianne Beate Kielland, Ann Hallenberg,
Markus Schäfer, Hanno Müller-Brachmann
Dresdner Kammerchor • Kölner Kammerorchester
Leitung: Helmut Müller Brühl
NX 8.551219-20 (VÖ: 2004)


 

Nachdem sich das Kölner Kammerorchester von 1976 bis 1986 unter dem Namen Capella Clementina — so benannt nach dem äußerst kunstsinnigen Kölner Kurfürsten Clemens August (1700-1761) — ausschließlich mit alten Instrumenten um die Wiederbelebung historischer Aufführungspraktiken bemüht hatte, war ein Bogen ausgeschritten, und so wurde beschlossen, fortan die gewonnenen Erfahrungen auf das traditionelle Klanggerät zu übertragen, um wieder die Kompatibilität mit »modernen« Instrumentalisten zu erreichen und ein möglichst großes Publikum mit den stilistischen Errungenschaften bekannt zu machen.
Wie faszinierend es klingt, wenn man beispielsweise ein Streicherspiel mit reduziertem, bewußt eingesetztem Vibrato, traditionelles Instrumentarium und für heutige Begriffe kleine Besetzungen miteinander verbindet, verraten nicht nur die Zuschauerzahlen und Tonträgerproduktionen, sondern vor allem natürlich die klingenden Resultate.
Nirgends wird das deutlicher als bei den Orchesterwerken Ludwig van Beethovens, deren sich Helmut Müller-Brühl und das Kölner Kammerorchester jetzt erneut angenommen haben. Nach den ersten beiden Symphonien gibt es jetzt eine »heroische« CD mit den Ouvertüren zu Die Geschöpfe des Prometheus, Coriolan und Egmont sowie eine Eroica, die gewiß dazu einlüde, Beethoven »vom Kopf auf die Füße zu stellen«, wie man das in einigen Kreisen versucht. Hier aber klingt die Musik so natürlich in Wesen und Gestaltung, als sei sie eben erst entstanden, nicht, als müsse das Rad der Geschichte zurückgedreht werden.

Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 3 Es-dur op. 33 Eroica • Ouvertüren zu
Die Geschöpfe des Prometheus • Egmont • Coriolan
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.551229
* Bereits ausgezeichnet durch den SUPERSONIC-
Award des luxemburgischen Fachmagazins pizzicato *

Ludwig van Beethoven
Symphonien Nr. 1 und Nr. 2
Kölner Kammerorchester • Helmut Müller Brühl
NX 8.551099 (VÖ: 2003)

KÖLNER KAMMERORCHESTER
INTERPRETATIONSKURS SOMMER 2005
Zum ersten Mal geben Solisten des Kölner Kammerorchesters unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl einen Interpretationskurs. In der sommerlichen Atmosphäre der italienischen Schweiz und von Montepulciano geben die Dozenten des Kölner Kammerorchesters ihre Erfahrung in der historisch orientierten Aufführungspraxis auf neuen Instrumenten an interessierte Musikstudenten weiter.
Interpretationskurs
für Sänger und Instrumentalisten
zur Erlangung eines guten Geschmacks
»bon goût«
für die Interpretation Alter Musik
auf modernen Instrumenten
Schweiz
Ascona – Locarno – Lugano

17.-30. Juli 2005
Ticino Musica
www.ticinomusica.com

Italien
Montepulciano
4.-14. September 2005
Europäische Akademie für Musik
Palazzo Ricci – Hochschule für Musik Köln
www.mhs-koeln.de/de/montepulciano
Dozenten
Prof. Barbara Schlick (Ticino Musica), Gesang
Daniel Rothert, Blockflöten
Prof. Christian Hommel, Oboe
Prof. Gerhard Peters, Violine
Mercedes Ruiz (Montepulciano), Violoncello
Prof. Robert Hill (Ticino Musica), Tasteninstrumente
Prof. Harald Hoeren (Montepulciano), Tasteninstrumente
Helmut Müller-Brühl, Ensemblespiel

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