Wir
tun immer so, als könnten wir uns die Gefühle eines
Komponisten vorstellen, der hilflos mit ansehen muß, wie
sein Gehör unaufhaltsam, unrettbar dahingeht – und
der nicht weiß, ob morgen vielleicht schon alles vorbei
ist. Welche Ängste, Verzweiflungen, sicher auch sinnlose
Hoffnungen, welche Wut und Resignation da, vermutlich in rascher
Folge, einander abwechselten, das läßt sich auch
dann nicht erahnen, wenn man das Heiligenstätter Testament
und die erhaltenen Konversationshefte in- und auswendig kennt.
Die nicht zu beantwortende Frage, was sich zwischen dem gerade
noch Hörbaren und dem völligen Verstummen der Außenwelt
abgespielt haben könnte, stellt sich freilich jedem Musiker
und Ensemble, der oder das so leichtsinnig war, sich auf Ludwig
van Beethovens Klaviersonaten oder Streichquartette einzulassen.
Da geht plötzlich nach dem konzentrierten, klassisch abgemessenen
Quartetto serioso op. 95 für alle Welt sichtbar
die klassische Welt aus dem Leim – und niemand wird je
sagen können, wie das im musikalischen Innenohr des Komponisten
geklungen hat. Man kann aber zumindest versuchen, den gewaltigen
Bruch hörbar zu machen und die miniaturhaften Augenblicke,
die riesigen Adagio-Sätze, die mächtigen, völlig
neuen Fugen in Regionen zu rücken, wo herkömmliche
Schönheitsbegriffe auch hörbar einer harten Prüfung
ausgesetzt sind.
Auryn’s Beethoven
Die Streichquartette Vol. 4
Op. 95, 127, 132
TACET 2CD 130
(Vertriebe: Deutschland: Johannes Gebhardt, D-72144
Dußlingen, Österreich:
Music Partner, A-2340 Mödling, Schweiz: Smart Music Sàrl,
CH-1337 Vallorbe)
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| Auryn
Quartett |
| Konzerttermine
1. Halbjahr 2005 |
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| 11-18.
Febr. |
Italien-Tournee
(mit Nobuko Imai) |
26.
Febr.
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Essen,
Schönberg-Zyklus |
| 27.
Febr. |
Essen,
Schönberg-Zyklus |
| 05.-20.
März |
USA,
Washington, Beethoven-Zyklus |
| 03.
April |
Sonthofen |
| 09.
April |
Essen,
Schönberg-Zyklus |
| 10.
April |
Essen,
Schönberg-Zyklus |
| 19.
April |
Leipzig,
MDR - Neue Musik |
| 25.-27.
Mai |
Schwäbischer
Frühling |
| 28.
Juni |
Detmold |
Und
genau das tut das Auryn Quartett zum Abschluß seiner
Beethoven-Gesamtaufnahme. Die vielgelobte, mitunter als
»klassisch« bezeichnete Politur der bisherigen
Einspielungen gerät jetzt, nachdem sie im Opus 95 bereits
gehörig unter Beschuß genommen worden war, tatsächlich
in Grenzbereiche, in denen jeder Parameter gewissermaßen
bis zum Extrem gesteigert und aufgebogen ist: Pianissimi
als subtil angerauhte Rand-Erscheinungen zwischen Haar und
Saite, melodische Bögen, die sich schier endlos wölben,
dann wieder Tempi von solch gespenstischem Furioso, als
seien sie von Dämonen diktiert – wer bis heute
nicht wüßte, was Beethoven außer Schuppanzighs
Geige nicht interessiert hat, der könnte es hier erfahren.
Und wer’s schon gewußt hat, lernt recht radikale
Facetten kennen, die Lichtjahre von dem klassischen Beginn
des Zyklus entfernt sind, weil sie da noch in den Sternen
standen.
Mehr
Informationen unter
www.auryn-quartett.de
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