Wenn
ein NichtKlavierspieler einem Pianisten und Komponisten von Weltrang
ein Elaborat zur Begutachtung schickt, das er als Klavierstück
bezeichnet, dann muß er sich nicht wundern, wenn der Fachmann
nicht sowohl staunt als vielmehr annimmt, er sei um seinen Rat
und seine Hilfestellung gefragt. So geschah es, als Arnold Schönberg
seine Drei Klavierstücke op. 11 an Ferruccio Busoni
sandte und dieser in völliger Verkennung der Absicht glaubte,
dem am Klavier eher stümperhaften Kollegen auf die Sprünge
helfen zu müssen, indem er am zweiten der drei Piecen demonstrierte,
wie die Musik »pianistisch« zu gestalten sei. Es ist
anzunehmen, daß Schönbergs oft seitenlange Annotationen
in seinem Exemplar von Busonis Neuer Ästhetik der Tonkunst
eine stille, private Revanche des düpierten Mannes darstellten:
Manches liest sich hier tatsächlich wie ein »dem habe
ich’s jetzt aber gegeben!«
Emma Schmidt hat diesen köstlichen Dissens in den Mittelpunkt
ihres intelligent gestalteten und mit aller nur erdenklichen Sensibilität
realisierten Programms Tradition und Aufbruch gestellt,
das sie im November letzten Jahres im Hans Rosbaud-Studio Baden-Baden
des SWR aufgenommen hat. Wie einst die Wiener Universal Edition
bei der Veröffentlichung der Noten, läßt auch
sie Busonis »konzertmäßige Interpretation«
des zweiten Stückes aus Schönbergs Opus 11 unmittelbar
auf den Originaltext folgen – ein fingerfertiger Beweis
dafür, daß man hin und wieder vielleicht doch die Hinweise
des Experten nicht in den Wind schlagen sollte.
Welche Vielfalt viel zu lange unter den historischen Teppich gekehrt
wurde, beginnt man erst heute zu entdecken, wo Werke wie Johann
Sebastian Bachs Chaconne aus der d-moll-Partita, »zum Konzertvortrage
für Pianoforte bearbeitet von Ferruccio Busoni« wieder
zum guten Ton gehören und wo selbst Franz Schreker, das Opfer
ausgesprochen arglistiger Kampagnen, sich wieder neben Kollegen
wie dem hier mit seiner Klaviersonate op. 1 vertretenen Alban
Berg behaupten kann: So ist es nur zu einleuchtend, daß
Emma Schmidt ihr exquisites Album mit der Kammersymphonie beschließt,
die Schreker 1916 für den Lehrkörper der Wiener Akademie
komponierte und deren klanglich-formale Geschlossenheit dem antipodischen
Opus 9 seines Landsmannes Schönberg in vieler Hinsicht überlegen
ist. Es ist hier die Klavierfassung des Komponisten Ignaz Strasfogel
(1909-1994) zu hören, dem es auf ebenso brillante Weise gelang,
die 23 Solo-Instrumente auf eine Tastatur zu reduzieren, wie es
Emma Schmidt gelingt, diesem Meisterstück der Bearbeitungskunst
wieder all die Schattierungen zurückzugeben, die der große
Klangzauberer Schreker gemeint hatte.
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Aufbruch
und Tradition
Johann Sebastian Bach Chaconne für Violine
allein, bearb. von F. Busoni
Alban Berg Sonate für Klavier op. 1 •
Arnold Schönberg 3 Klavierstücke op.
11
Arnold Schönberg Klavierstück op. 11
Nr. 2, konzertmäßige Interpretation von F. Busoni
Franz Schreker Kammersymphonie in einem Satz
(1916), bearb. von Ignaz Strasfogel
BM-CD 14.9007
Der CD liegt eine Bonus-CD für Digital Surround 5.1 bei.
(Vertrieb: Musikwelt, Münster)
Biographie |
Die
in Wien geborene Pianistin Emma Schmidt
hat ihr Klavierstudium an der Grazer Musikhochschule absolviert.
Sie besuchte Meisterkurse bei Paul Badura-Skoda, Carlo Zecchi,
Karl Engel und Sergio Lorenzi in Salzburg und Siena. Ein
Auslandsstipendium führte sie für ein Jahr nach
Venedig.
1969 gewann sie den Bösendorfer-Preis in Wien,
1979 den 1. Preis im Kammermusikwettbewerb »Vittorio
Gui« in Florenz. Nach Lehrtätigkeit als Professor
an der Musikhochschule Graz und als Dozent an der Musikhochschule
in Hannover widmet sie sich ganz ihrer solistischen Tätigkeit.
Emma Schmidt gab zahlreiche Konzerte mit Orchestern
wie den Wiener Symphonikern, dem Mozarteum Salzburg, dem
Königlich Philharmonischen Orchester von Flandern,
dem Gulbenkian Orchestra oder der Philharmonie Dresden.
Recitals und Kammermusikkonzerte spielte
sie in Wien, Salzburg, London, Paris, Berlin, Hamburg, Düsseldorf,
Hannover, Brüssel, Budapest, Warschau, Belgrad, Rom,
Mailand, Florenz und Segovia. Tourneen brachten sie nach
Hongkong und Korea.
Im Jahr 2002 wurde Emma Schmidt mit dem Österreichischen
Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
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| Weitere
CD-Einspielungen von Emma Schmidt sind: |
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Klavierwerke
von Schumann, Czerny und Grünfeld
RBM CD 463 185
SYNCOPATED
LADY
Ragtimes von Joplin, Barnes, Isel, Cobb, Sullivan, Gershwin
etc.
BM-CD.31.2180
JANACEK
- Auf verwachsenem Pfad 1, Sonate 1.X.1906
SMETANA - Böhmische Tänze
BM-CD.31.2223
SPANISCHE
KLAVIERMUSIK
Werke von Granados, Mompou, Albeniz
BM-CD.31.2342
SCHNITTKE
– Konzert für Klavier und Streichorchester (1979)
+ TSCHAIKOWSKY Sinfonie Nr. 5
Badische Staatskapelle Karlsruhe | Günter Neuhold
ANTES EDITION BM-CD 31.9021
SCHULHOFF
– Konzert für Klavier und Orchester (1923)
BARTOK Concerto per Orchestra
Philharmonisches Staatsorchester Bremen | Günter Neuhold
ANTES EDITION BM-CD 31.9072
TSCHAIKOWSKY
– Trio a-moll op. 50
Emma Schmidt - Klavier, Stephan Skiba - Violine, Peter Trexler
- Violoncello
BM-CD 31.9034 |
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Weitere
Informationen:
http://web.utanet.at/schm2337 |
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