Home | Künstler |CD-Newsletter |Kontakt |Aktuell
CD-Newsletter
Emma Schmidt  

November / Dezember 2005


Aufbruch und Tradition
Die Pianistin Emma Schmidt
mit Busoni, Berg & Co.


Wenn ein NichtKlavierspieler einem Pianisten und Komponisten von Weltrang ein Elaborat zur Begutachtung schickt, das er als Klavierstück bezeichnet, dann muß er sich nicht wundern, wenn der Fachmann nicht sowohl staunt als vielmehr annimmt, er sei um seinen Rat und seine Hilfestellung gefragt. So geschah es, als Arnold Schönberg seine Drei Klavierstücke op. 11 an Ferruccio Busoni sandte und dieser in völliger Verkennung der Absicht glaubte, dem am Klavier eher stümperhaften Kollegen auf die Sprünge helfen zu müssen, indem er am zweiten der drei Piecen demonstrierte, wie die Musik »pianistisch« zu gestalten sei. Es ist anzunehmen, daß Schönbergs oft seitenlange Annotationen in seinem Exemplar von Busonis Neuer Ästhetik der Tonkunst eine stille, private Revanche des düpierten Mannes darstellten: Manches liest sich hier tatsächlich wie ein »dem habe ich’s jetzt aber gegeben!«
Emma Schmidt hat diesen köstlichen Dissens in den Mittelpunkt ihres intelligent gestalteten und mit aller nur erdenklichen Sensibilität realisierten Programms Tradition und Aufbruch gestellt, das sie im November letzten Jahres im Hans Rosbaud-Studio Baden-Baden des SWR aufgenommen hat. Wie einst die Wiener Universal Edition bei der Veröffentlichung der Noten, läßt auch sie Busonis »konzertmäßige Interpretation« des zweiten Stückes aus Schönbergs Opus 11 unmittelbar auf den Originaltext folgen – ein fingerfertiger Beweis dafür, daß man hin und wieder vielleicht doch die Hinweise des Experten nicht in den Wind schlagen sollte.
Welche Vielfalt viel zu lange unter den historischen Teppich gekehrt wurde, beginnt man erst heute zu entdecken, wo Werke wie Johann Sebastian Bachs Chaconne aus der d-moll-Partita, »zum Konzertvortrage für Pianoforte bearbeitet von Ferruccio Busoni« wieder zum guten Ton gehören und wo selbst Franz Schreker, das Opfer ausgesprochen arglistiger Kampagnen, sich wieder neben Kollegen wie dem hier mit seiner Klaviersonate op. 1 vertretenen Alban Berg behaupten kann: So ist es nur zu einleuchtend, daß Emma Schmidt ihr exquisites Album mit der Kammersymphonie beschließt, die Schreker 1916 für den Lehrkörper der Wiener Akademie komponierte und deren klanglich-formale Geschlossenheit dem antipodischen Opus 9 seines Landsmannes Schönberg in vieler Hinsicht überlegen ist. Es ist hier die Klavierfassung des Komponisten Ignaz Strasfogel (1909-1994) zu hören, dem es auf ebenso brillante Weise gelang, die 23 Solo-Instrumente auf eine Tastatur zu reduzieren, wie es Emma Schmidt gelingt, diesem Meisterstück der Bearbeitungskunst wieder all die Schattierungen zurückzugeben, die der große Klangzauberer Schreker gemeint hatte.

Aufbruch und Tradition
Johann Sebastian Bach Chaconne für Violine allein, bearb. von F. Busoni
Alban Berg Sonate für Klavier op. 1 • Arnold Schönberg 3 Klavierstücke op. 11
Arnold Schönberg Klavierstück op. 11 Nr. 2, konzertmäßige Interpretation von F. Busoni
Franz Schreker Kammersymphonie in einem Satz (1916), bearb. von Ignaz Strasfogel
BM-CD 14.9007
Der CD liegt eine Bonus-CD für Digital Surround 5.1 bei.
(Vertrieb: Musikwelt, Münster)

Biographie
Die in Wien geborene Pianistin Emma Schmidt hat ihr Klavierstudium an der Grazer Musikhochschule absolviert. Sie besuchte Meisterkurse bei Paul Badura-Skoda, Carlo Zecchi, Karl Engel und Sergio Lorenzi in Salzburg und Siena. Ein Auslandsstipendium führte sie für ein Jahr nach Venedig.
1969 gewann sie den Bösendorfer-Preis in Wien, 1979 den 1. Preis im Kammermusikwettbewerb »Vittorio Gui« in Florenz. Nach Lehrtätigkeit als Professor an der Musikhochschule Graz und als Dozent an der Musikhochschule in Hannover widmet sie sich ganz ihrer solistischen Tätigkeit.
Emma Schmidt gab zahlreiche Konzerte mit Orchestern wie den Wiener Symphonikern, dem Mozarteum Salzburg, dem Königlich Philharmonischen Orchester von Flandern, dem Gulbenkian Orchestra oder der Philharmonie Dresden. Recitals und Kammermusikkonzerte spielte sie in Wien, Salzburg, London, Paris, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Brüssel, Budapest, Warschau, Belgrad, Rom, Mailand, Florenz und Segovia. Tourneen brachten sie nach Hongkong und Korea.
Im Jahr 2002 wurde Emma Schmidt mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
 
Weitere CD-Einspielungen von Emma Schmidt sind:
 

Klavierwerke von Schumann, Czerny und Grünfeld
RBM CD 463 185

SYNCOPATED LADY
Ragtimes von Joplin, Barnes, Isel, Cobb, Sullivan, Gershwin etc.
BM-CD.31.2180

JANACEK - Auf verwachsenem Pfad 1, Sonate 1.X.1906
SMETANA - Böhmische Tänze
BM-CD.31.2223

SPANISCHE KLAVIERMUSIK
Werke von Granados, Mompou, Albeniz
BM-CD.31.2342

SCHNITTKE – Konzert für Klavier und Streichorchester (1979)
+ TSCHAIKOWSKY Sinfonie Nr. 5
Badische Staatskapelle Karlsruhe | Günter Neuhold
ANTES EDITION BM-CD 31.9021

SCHULHOFF – Konzert für Klavier und Orchester (1923)
BARTOK Concerto per Orchestra
Philharmonisches Staatsorchester Bremen | Günter Neuhold
ANTES EDITION BM-CD 31.9072

TSCHAIKOWSKY – Trio a-moll op. 50
Emma Schmidt - Klavier, Stephan Skiba - Violine, Peter Trexler - Violoncello
BM-CD 31.9034

 
Weitere Informationen:
http://web.utanet.at/schm2337


PRO CLASSICS ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich,
die über einen Link erreicht werden.


Seite 4