Vor
ungefähr dreißig Jahren verließ ein junger Dirigent
namens Ali Rahbari den Iran, um im Westen sein Glück zu machen.
Eine der ersten Chancen, die er auch sogleich mit beiden Händen
ergriff, war das Angebot des Labels Colosseum, mit den Nürnberger
Symphonikern eine umfangreiche Anthologie persischer Kunstmusik
einzuspielen. Das Resultat war eine Box mit vier Langspielplatten,
die sich binnen kurzer Frist als Verkaufsschlager herausstellte.
Für den Dirigenten, den wir heute längst als Alexander
Rahbari mit einer Vielzahl herausragender symphonischer und musikdramatischer
Einspielungen kennen, waren die Symphonischen Dichtungen aus
Persien – zu denen auch eines seiner eigenen Werke
gehört – ein perfekter Neubeginn auf europäischem
Parkett. Schon 1979 lud ihn Herbert von Karajan ein, die Berliner
Philharmoniker zu dirigieren, und Rahbari nutzte auch diese Gelegenheit.
Die Nürnberger Produktion und das Berlin-Debüt waren
der Schlüssel zu einer großen internationalen Karriere,
die den Künstler mit führenden Orchestern in aller Welt
zusammenbrachte. Unter seiner Leitung musizierten bislang das
Orchestre de la Suisse Romande, das Orchestre National de France,
die Tschechische Philharmonie, das Gewandhausorchester Leipzig,
die Sächsische Staatskapelle Dresden, das NHK Tokyo, die
Rotterdamer und die Stockholmer Philharmoniker, das Tonhalle-Orchester
Zürich und viele andere.
Die größte persönliche und künstlerische
Genugtuung sollte Alexander alias Ali Rahbari aber noch bevorstehen:
Als er im Juni 2005 nach beinahe drei Jahrzehnten wieder in den
Iran zurückkehrte, fand er natürlich ein Land vor, das
sich grundlegend verändert hatte. Doch was dann geschah,
war ein neuerlicher Beweis dafür, daß es übergeordnete
Kräfte gibt, gegen die alle Politik wehrlos ist: Die Aufführungen
von Antonin Dvoráks neunter Symphonie Aus der neuen
Welt und Peter Tschaikowskys vierter Symphonie wurden vom
Publikum mit dem sprichwörtlich endlosen Beifall und auch
von der Presse mit solcher Begeisterung gefeiert, daß der
»Heimkehrer« und Botschafter der Musik mit sofortiger
Wirkung zum Chefdirigenten des Opernhauses von Teheran und des
Teheraner Symphonieorchesters ernannt wurde.
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Ohne
wissen zu können, daß es im Sommer dieses Jahres zu
einer solch triumphalen Wendung kommen würde, hatte man bei
Colosseum bereits damit begonnen, die einzigartigen und geschichtsträchtigen
Aufnahmen aus den Siebzigern für eine Veröffentlichung
auf zwei CDs digital zu überarbeiten. Der sensationelle Erfolg
Alexander Rahbaris in seiner Heimat rückt die Produktion
natürlich in ein noch helleres Rampenlicht: Die Sheherazade
von Aminollah Hossein, das Ballett Bijan und Manijeh
von Hossein Dehlavi, die Persische Mystik um G von Alexander
Rahbari und all die andern Werke, die auf unterschiedlichste Weise
von der Musik des Heimatlandes inspiriert sind – sie zeigen
uns ein anderes Persien als das, was täglich über die
Mattscheibe flimmert.

Symphonische
Dichtungen aus Persien
Alexander Rahbari Persische Mystik um G
Ahmad Pejman Tanz (aus der Oper Samandar), Ballett-Impressionen,
Rhapsodie
Aminollah Hossein Sheherazade
Hossein Dehlavi Bijan & Manijeh
Houchang Ostovar Suite Iranienne
Mohammad Taghi Massoudieh Mouvement Symphonique
Nürnberger Symphoniker • Alexander Rahbari
2CD COL 9035-2.2 (Vertrieb Musikwelt)
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