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Ausgabe: November / Dezember 2005

Inhalt:

Neue Aspekte
Helmut Müller-Brühl und die Matthäuspassion von Bach

Geistliche Solokantaten für Alt
mit Marianne Beate Kielland

Vergabe des INVENTIO 2005
für das Schulprojekt »Karneval der Tiere« der Bremer Philharmoniker

David Meier siegt beim 10. Bremer Klavierwettbewerb

Symphonische Dichtungen aus Persien
Alexander Rahbari dirigiert die Nürnberger Symphoniker

Aufbruch und Tradition
Die Pianistin Emma Schmidt mit Busoni, Berg & Co.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: © Klaus Rudolph
Dresdner Kammerchor
Kölner Kammerorchester Helmut Müller-Brühl
bei der Aufnahme der Matthäuspassion im Sendersall des Deutschlandfunk, Köln

Neue Aspekte
Helmut Müller-Brühl und die Matthäuspassion von Bach


Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seit die bis dato letzte Einspielung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in einer Interpretation auf modern-herkömmlichem Instrumentarium erschien. Was immer in der unmittelbaren Zeit vor und nach dieser Veröffentlichung – Helmuth Rilling leitete damals die Stuttgarter Bachakademie – auf den Markt kam, waren Darstellungen auf period instruments, mit denen sich das Early Music Movement um möglichst authentische Klanglichkeiten bemüht.
Seine Erfahrungen mit der historischen Aufführungspraxis und den sogenannten Originalinstrumenten hat auch Helmut Müller-Brühl gemacht, als er seinerzeit das Kölner Kammerorchester in die Capella Clementina verwandelte und zehn Jahre lang die Welten des barocken und klassischen O-Tons erkundete, wobei er eine Vielzahl vergessener Schätze aus Konzert, Symphonik und Oper wiederentdeckte.
Aus diesen ganz praktischen Erkenntnissen reifte ein künstlerischer Ansatz, der vor zwanzig Jahren – als das Kölner Kammerorchester erstmals wieder zu den modernen Instrumenten griff – noch ein wenig belächelt wurde, sich inzwischen aber als eine geradezu prophetische Synthese von unerhörter Breitenwirkung erwiesen hat.
Sämtliche Aufnahmen und Konzerte des Kölner Kammerorchester unter Leitung von Helmut Müller-Brühl bieten diese Mischung, sind also historically informed bei gleichzeitiger Verwendung moderner Instrumente. Weshalb denn auch die neue Darstellung der Matthäuspassion zunächst nicht eigentlich eine Neudeutung des großen Werkes sein soll, sondern – vergleichbar der Serie geistlicher Solokantaten, die derzeit veröffentlicht wird – »den aufführungspraktischen Diskurs um eine Lesart, die die Ideen beider Lager sinnvoll vereint, bereichern« will, wie das Matthias Hengelbrock treffend im FonoForum (10/05) ausgedrückt hat.
»Neue Aspekte,« so Helmut Müller-Brühl, der sich mit dieser Realisation einen langgehegten Traum erfüllt hat, »ergeben sich auch aus der von Emil Platen in seiner Analyse der Matthäuspassion vorgeschlagenen Szeneneinteilung des ersten und zweiten Teiles in je 14 Stationen mit vorausgehendem Prolog und nachfolgendem Epilog. Diese Einteilung wird hier durch die hörbare Gliederung der Szenenabfolge erstmals auch musikalisch umgesetzt.
»Die meditative Ausdeutung der Partitur verzichtet bewußt auf eine durch die historische Aufführungspraxis in Mode gekommene subjektive Dramatisierung des Handlungsablaufes. So sind etwa die Choräle wieder auf den einfachen, betrachtenden Gemeindegesang zurückgeführt und verzichten auf die expressive Kommentierung des Passionsgeschehens. Auch diese Sicht auf Bachs Werk ist für heutige Hörer wieder ein Novum.«
Das Ergebnis ist nun eine Interpretation, die der Zeitlosigkeit der Matthäuspassion auch unter aufführungspraktischen Gesichtspunkten gerecht wird – weshalb es gewiß auch nicht verfehlt ist, sie zu einer Jahreszeit herauszubringen, die eigentlich nichts mit der Passion zu tun hat: Doch diese Musik und ihre Botschaft nur auf die Phase zwischen Karneval und Ostern zu reduzieren wäre wohl ebenso einseitig wie der Glaube an eine allein seligmachende Wiedergabe.

 

 

KONZERTÜBERSICHT
November/Dezember 2005
1./5. Nov 05 Köln, Philharmonie
Unvollendete Vollendung
Mozart Requiem
Schubert Sinfonie h-moll Nr. 7
 
4. Nov 05 Paris, Theatre des Champs Elysees
J.S. Bach Kantaten und Suiten
 
6. Nov 05 München, Prinzregententheater
Unvollendete Vollendung
Mozart Requiem
Schubert Sinfonie h-moll Nr. 7
10. Dez 05 München, Prinzregententheater
Weihnachten mit Beethoven
Beethoven Violinkonzert
Sinfonie Nr. 6
Solist: Daniel Hope
 
11./12. Dez 05 Köln, Philharmonie
Weihnachten mit Beethoven
Beethoven Violinkonzert
Sinfonie Nr. 6
Solist: Daniel Hope
 

Weitere Informationen:
www.koelnerkammerorchester.de



Johann Sebastian Bach
Matthäuspassion BWV 244

Nico van der Meel, Tenor/Evangelist
Raimund Nolte, Bassbariton/Jesus
Locky Chung, Bass/Petrus, Judas, Pilatus, Hohepriester
Claudia Couwenbergh, Sopran • Marianne Beate Kielland, Alt
Markus Schäfer, Tenor • Hanno Müller-Brachmann, Bass
Dresdner Kammerchor • Hans-Christoph Rademann
Knaben des Kölner Domchores • Eberhard Metternich
Kölner Kammerorchester
Gesamtleitung Helmut Müller-Brühl
Naxos 3 CD 8.551240-42 [VÖ: 21. November 2005]

 


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