Ein
Streichquartett auf einem Felsvorsprung, sechshundert Meter über
dem Lysefjord, hoch über Stavanger – dieses symbolträchtige
Bild faßt eigentlich die besonderen Merkmale des Internationalen
Kammermusikfestivals ICMF zusammen: Ungewöhnlich und grandios
ist das, was hier in Norwegen seit vierzehn Jahren passiert. Nie
und nirgends hat man solche Töne gehört wie hier. Ob
prominent oder weniger bekannt: Es gibt bei diesem Festival keine
Primadonnen. Man trifft sich, um eine Woche intensiv miteinander
zu arbeiten. »Beim Kammermusikspiel lernt man sich viel
schneller kennen. Alle spielen ohne Make-Up, man hat nichts, wohinter
man sich verstecken könnte, man ist viel offener –
und verletzlicher« (Martha Argerich).
Truls Mørk
konnte sich schon im dritten Jahr des ICMF darüber freuen,
daß seine Idee unter den internationalen Spitzenmusikern
als eine der feinsten Veranstaltungen ihrer Art bekannt war. Die
musikalischen Ereignisse, die alljährlich dort oben in der
kleinen norwegischen Kreisstadt eines vergleichsweise entlegenen
Landes stattfanden, wurden bald in den Kulturmetropolen diskutiert.
Das Geheimnis? Zunächst und vor allem Qualität, dann
aber auch ein Gefühl der Vertrautheit und des Behagens. Truls
Mørk hatte sich vorgenommen, ein Festival ins Leben zu
rufen, das er selbst gern besuchen würde und dessen Programme
ihn selbst interessierten.
Für
diese Saison hat er nun die Leitung dem Grieg Trio (www.proclassics.de/grieg-trio.htm)
übergeben: Der Pianist Vebjørn Anvik, der Geiger Sølve
Sigerland und die Cellistin Ellen Margrete Flesjø werden
zukünftig gemeinsam die Geschicke des Festivals lenken und
dafür sorgen, daß es auch weiterhin eine herausragende
Plattform der europäischen Kammermusikpflege bleibt. Die
neuen künstlerischen Leiter bringen natürlich ihre eigenen
internationalen Erfahrungen und musikalischen Partnerschaften,
ihre eigenen Visionen und programmatischen Konzepte mit. Das diesjährige
Festival besuchen unter anderen die London Winds, das Keller Quartett,
das Rosamunde Quartett sowie David Grimal, Fabio Biondi und Menahem
Pressler. Composer-in-residence ist der Lette Peteris
Vasks. Sie werden – wie auch das ins Geschehen eingebundene
Symphonieorchester Stavanger – die beiden Stoßrichtungen
des ICMF präsentieren und sich sowohl dem klassischen wie
auch dem zeitgenössischen Repertoire widmen.

Foto:
Pulpit Rock, Lysefjord
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DIE
GESCHICHTE
Das
Internationale Kammermusikfestival ICMF gibt es seit 1991. Damals
war Witold Lutoslawski gewissermaßen der composer-in-festival.
Er sagte der Unternehmung sogleich einen großen, dauerhaften
Erfolg voraus. Und seine Prophezeiung sollte sich erfüllen.
In den nächsten Jahren waren es unter anderem Edison Denisov,
George Crumb, Henri Dutilleux, Krzysztof Penderecki und Magnus Lindberg,
die das Festival mit ihrer Anwesenheit bereicherten und dem Publikum
die Möglichkeit gaben, einige der bedeutendesten Werke des
zeitgenössischen Schaffens im unmittelbaren Dialog mit den
Verfassern kennenzulernen.
DIE BESTEN UNSERER ZEIT
Alljährlich
beteiligen sich zwischen 20 und 40 Künstler an dem Festival.
Dazu gehörten bislang unter anderen die Pianisten Martha Argerich,
Jean-Jacques Thibaudet, Boris Berezovsky, Lars Vogt, Stephen Kovacevich,
Kathryn Stott und Yefim Bronfman; die Geiger Sergei Stadler, Leila
Josefowicz, Leonidas Kavakos und Renaud Capuçon; die Sänger
Dietrich Henschel und Ian Bostridge; der Flötist Partick Gallois
und der Klarinettist Michael Collins sowie die internationale Elite
der Bratschisten, zu denen ohne Frage Yuri Bashmet, Tabea Zimmermann,
Nabuko Imai und Kim Kashkashian zu rechnen sind. Daneben gastierten
in Stavanger junge, verheißungsvolle Talente wie Priya Mitchell,
Alexander Melnikov und Mihaela Ursuleasa – und die meisten
lassen es nicht bei einem einzigen Gastspiel bewenden.
»Stavanger
ist einer der bezauberndsten Orte, an denen wir gespielt haben,«
erklären die Mitglieder des Borodin Quartetts: »Die Natur,
die Atmosphäre, die Nähe zum Wasser ... alles ist eine
großartige Erfahrung.«
SPRUNGBRETT FÜR JUNGE TALENTE
Das
ICMF freut sich natürlich über jeden Künstler, der
nach seinem ersten Gastspiel den Wunsch nach weiteren Auftritten
verspürt. Zugleich aber wird Wert darauf gelegt, daß
immer neue Musiker kommen, die man in Norwegen noch nicht kennt
und daß andererseits auch die heimischen Talente berücksichtigt
werden. Etlichen dieser »Eigengewächse« hat das
Festival bereits den Weg zu neuen Kontakten und Möglichkeiten
im Ausland bereitet.
Seit
1996 trägt das Festival auch in anderer Hinsicht zur Leistungsförderung
neuer Talente bei. Wenn schon so viele erstklassige Künstler
versammelt sind, dann sollten sie ihr Können tunlichst auch
an die jüngeren Generationen weitergeben. Die Teilnehmer an
der Internationalen Sommerakademie (ISA) kommen aus aller Herren
Länder. Sie besuchen die verschiedenen Meisterklassen und können
darüber hinaus sämtliche Konzerte ihrer jeweiligen Vorbilder
hören. Seit einigen Jahren gehört auch eine enorm erfolgreiche
Tanzabteilung zum Angebot der ISA.
Das ICMF Stavanger in Kürze
Wann:
10. - 15. August 2004
Wo: Stavanger, Norwegen
Schirmherr: Seine Königliche Hoheit Kronprinz Haakon von Norwegen
Weitere Informationen: Besuchen Sie die Homepage www.icmf.no
für Details
Für Reiselustige: unter www.stavanger-web.com
erhalten Sie sämtliche Angaben der Touristeninformation mit
Hotelmöglichkeiten.
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