»Streicher
in orchestraler Raserei« betitelte der Weser-Kurier die
Rezension eines Konzerts, das sicherlich in die Annalen der Bremer
Philharmoniker eingehen wird: Am Montag, den 12. und Dienstag,
den 13. Januar sollte unter der musikalischen Leitung der britischen
Dirigentin Sian Edwards neben Bizets Djamileh-Ouvertüre
und der zweiten Symphonie von Tschaikowsky das Violinkonzert von
Benjamin Britten aufgeführt werden. Am Sonntagabend aber
stand fest, daß die vorgesehene Solistin wegen einer heftigen
Grippe-Erkrankung nicht würde spielen können. Und dann
wurde es »gemütlich« an der Weser – allerdings
mit Erfolg: In der Nacht hatte man mit dem englischen Geiger Thomas
Bowes einen Künstler gefunden, für den das Wort »Einspringer«
kaum geeignet war: Unmittelbar nach seiner Zusage stand er bereits
im Keller seines Hauses, um den schwierigen Solopart durchzunehmen,
am Morgen flog er nach Bremen, und am Abend gab es nach einer
kurzen Verständigungsprobe eine Sensation. Ergebnis: Riesiger
Applaus, Beifallsgetrampel und erstklassige Kritiken:
Weitere
Informationen zu Thomas Bowes finden Sie hier.
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Aaron
Copland nannte ihn einen »amerikanischen Komponisten ehrenhalber«,
für Toru Takemitsu war er die »Vaterfigur der japanischen
Musik«, im Vorkriegs-China stieg er gar zur rechten Hand
des Kultusministers auf – und doch hat der musikalische
Weltbürger Alexander Tscherepnin (1899-1977) seine russischen
Wurzeln nie verleugnet. Noch wenige Jahre vor seinem Tode präsentierte
er sich in Deutschland mit Konzerten, in denen er seine eigene
vierte Symphonie mit der h-moll-Symphonie seines Landsmanns und
Namensvetters Borodin aufführte. Eben diese Kombination läßt
Colosseum jetzt im Rahmen der Serie Russische Meisterwerke
wieder aufleben: Unter der Leitung von Räto Tschupp bzw.
Günter Neidlinger wurden in den Jahren 1972 und 1973 die
großen Werke der beiden großen Alexanders aufgenommen,
die jetzt in digitaler Bearbeitung zusammen mit Borodins fragmentarischer
dritter Symphonie auf einer CD wiederveröffentlicht werden.
Russische
Meisterwerke
Alexander Borodin
Symphonien Nr. 2 h-moll und Nr. 3 a-moll
Alexander Tscherepnin
Symphonie Nr. 4 E-dur op. 91
Nürnberger Symphoniker
Dirigenten Günter Neidlinger und Räto Tschupp
Colosseum Classics COL 9031.2
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