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denke sich einen römischen Zirkus, in dessen Mitte auf einem
Stuhl, einem Sessel oder gar einer Chaiselongue eine einzige Person
sich niedergelassen hat, um sich an der bewegten Szenerie auf
den Rängen zu ergötzen: Gladiatoren schubsen sich gegenseitig
über die Bänke, bis sie im Sande liegen, irgendwo brüllt
ein Herrscher, die Spiele seien eröffnet, eine Blaskapelle
spielt antike Weisen, Ausrufer bieten lautstark Wurstpellenmarmelade
und Programmhefte feil – und immer wieder hört man
die Stimme des Ansagers: „Jeder bitte nur ein Kreuz!”
Zugegeben,
es wäre eine verrückte Welt, die sich mit dem Konzept
der Massenfixierung nicht hätte vereinbaren lassen. Denkbar
ist sie dennoch, und sie läßt sich tatsächlich
realisieren: Surrealismus + Sound = Real
Surround Sound heißt die Formel, die uns in die fiktive
Mitte klanglich-künstlerischer Geschehnisse versetzt und
uns Hörbarkeiten eröffnete, wie sie sonst wohl nur ein
creator mundi kennt. Und stellen wir uns jetzt noch vor,
daß die Klänge, die Geräusche, die Bilder nach
einer geheimen und dennoch einleuchtenden, überzeugenden
Choreographie in Bewegung versetzt werden, dann kommt es zu akustischen
„Filmereignissen”, die schon die großen Hörspiel-Autoren
und -Regisseure im Sinn hatten, von denen sie aber in Ermangelung
technischer Möglichkeiten nur träumen konnten (der Kunstkopf
war schließlich ein unübersehbares Indiz).
Die
Verlagerung der Geschehnisse in den Bereich der persönlichen
Fantasie läßt sich heute bewerkstelligen. Und das genau
ist es, was Andreas Spreer bei der „Inszenierung”
seiner TACET-DVDs im Sinn hat: Der Moving Real Surround Sound,
den wir gegen Ende des vergangenen Jahres erstmals am Beispiel
des Klaviertrios op. 50 von Peter Tschaikowsky vorstellten, macht
nicht nur den Noten, sondern vor allem auch den Akteuren Beine
und erlaubt es, im Kreise der mittlerweile liebgewordenen Lautsprecher
ganz neue Dinge zu „sehen”, da das Hören ein
anderes geworden ist.
Mehr Informationen
unter
www.tacet.de
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Sergej
Prokofieffs Peter und der Wolf sowie Der Karneval
der Tiere von Camille Saint-Saëns sind zwei ideale
Demonstrationsobjekte dieser neuen Ästhetik, die an die
Tradition der großen alten Hörspiele anknüpft,
zugleich aber auch die aktuellsten Errungenschaften und Kapazitäten
des neuen Mediums nutzt: Die experimentelle Tacet-DVD enthält
beide Stücke in kompletten englischen und deutschen Fassungen,
wobei Bradley Cole bzw. Moritz Stöpel den Actionkrimi vom
Ende der Ente und der Jagd auf den Wolf aus der Sicht der Eule
erzählen – des weisen Vogels also, der im Originaltext
ebensowenig in Erscheinung tritt wie der Zuhörer inmitten
des wirklichen Orchesterraums. Eine dritte, gänzlich kommentarlose
Ausführung rundet die Veröffentlichung ab, bei der
aus einleuchtenden Gründen auf Untertitel verzichtet wurde.

Moving
Real Surround Sound
Sergej Prokofieff: Peter und der Wolf op. 67
Camille Saint-Saëns: Karneval der Tiere
Bradley Cole & Moritz Stöpel, Sprecher
Ladies Swing Quartet
Polnisches Kammerorchester
Dirigent Wojciech Rajski
TACET DVD-Audio D114
TACET SACD S114
(Veröffentlichung der SACD Mitte März 2004)
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