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Troubadisc   Juni/Juli 2003

Musik für halbes Streichquartett
Strassenmusik n.16 und Duo mon amour


Schon der Name des Labels zeugt von Humor. Denn wer dächte bei Troubadisc nicht an den beklagenswerten Barden eines gewissen gallischen Dorfes, das den Eindringlingen noch immer Widerstand leistet, und hörte nicht quasi automatix die Worte: “Nein, du wirst nicht singen!” Man besinnt sich natürlich auch darauf, daß der unverstandene Sänger, sobald er sich instrumental betätigte, durchaus gern gelitten war — und dann paßt alles recht gut zusammen, denn der kleine Münchner Katalog, den die Geigerin Renate Eggebrecht und der Cellist Friedemann Kupsa vor nunmehr zwölf Jahren gründeten, enthält vor allem eine Fülle feinster Kammermusiken, unter denen die Premieren wertvoller Streicherstücke den prominentesten Platz einnehmen. Musik von Fanny Mendelssohn und Ethel Smyth, von Max Reger und seiner Schülerin Johanna Senfter, von Darius Milhaud und Grazyna Bacewicz bilden den Löwenanteil eines Repertoires, das längst auch internationale Resonanz ausgelöst hat.

Eine besondere Spezialität von Troubadisc ist, wen wollte es überraschen, die Musik für “halbes Streichquartett”, sprich für Violine und Violoncello. Und diese Spezialität hat mittlerweile ihre Kreise gezogen: Nachdem der griechische Komponist Dimitri Nicolau die erste CD von Renate Eggebrecht und Friedemann Kupsa gehört hatte, entschloß er sich ganz spontan, den beiden Musikern ein neues Werk auf die acht Saiten zu schreiben. Diese Strassenmusik n. 16 wurde dann auch das Titelstück einer aufregenden neuen Produktion. Den Anfang des Programms bildet das Duo für Violine und Violoncello op. 7 von Zoltán Kodály, das man zusammen mit der Solosonate für Violoncello op. 8 zu den wichtigen expressionistischen Reflexionen des ungarischen Meisters rechnet und dementsprechend gern als zerfasertes Psychogramm zu interpretieren pflegt. Renate Eggebrecht und Friedemann



Strassenmusik n.16

Werke für Violine und Cello
von Zoltan Kodály, Elizabeth Maconchy,
Anatol Vieru und Dimitri Nicolau
Renate Eggebrecht, Violine
Friedemann Kupsa, Cello
TRO-CD 01426
(Vertrieb: KLASSIK-CENTER-KASSEL)

Kupsa gehen anders vor: Sie nehmen die Tempoangaben des Komponisten nicht auf die leichte Schulter und gelangen auf diese Weise zu einer kraftvollen, straffen, sehr magyarischen Musik.

Auch die Sonate (1985) des Rumänen Anatol Vieru bezieht ihre Kraft aus der heimatlichen Volksmusik und zeigt eigene, revolutionäre Wege. Gegenüber dieser quasi avantgardistischen Komposition geradezu klassisch wirken die acht Variationen über ein eigenes Thema, die die englische Komponistin Elizabeth Maconchy (1907-1994) im Jahre 1951 geschaffen hat und die auf der vorliegenden CD ebenso wie die Werke von Vieru und Nicolau in Ersteinspielungen zu hören sind.

Mit seinem im positiven Sinne textkritischen Ansatz hat das virtuose Duo inzwischen so manche falsche Vorstellung entstaubt, wie Rémy Franck pars pro toto bei Anhörung der CD Duo mon amour mit Werken von Ravel, Milhaud, Honegger und jener Sonate des Griechen Nikos Skalkottas bemerkte, die letztlich den Ausschlag für die Strassenmusik gab: “Schon die ersten Töne der Ravel-Sonate lassen aufhorchen. Wir haben sie in graziöser Eleganz im Ohr. Renate Eggebrecht und Friedemann Kupsa gehen aber sofort in den Angriff über: mit einer stupenden Klanglust, leidenschaftlich im Ausdruck, die Modernität des Werkes mit ungewohnten Phrasierungen betonend. In der Milhaud-Sonatine kommt die musikalische Emphase ebenfalls durch eine gestalterisch sehr souveräne Geste zu ihrem Recht — wenn auch anders abgeschmeckt, als man es gewohnt ist.” (Pizzicato 12/2000)

Wir freuen uns, Ihnen fortan in regelmäßiger Folge die Neuheiten und den Katalog des Labels Troubadisc vorstellen zu können, bei dem gelegentlich sogar gesungen wird ...



Duo mon amour
Werke für Violine und Cello
von Maurice Ravel, Darius Milhaud,
Arthur Honegger und Nikos Skalkottas
Renate Eggebrecht, Violine
Friedemann Kupsa, Cello
TRO-CD 01423
(Vertrieb: KLASSIK-CENTER-KASSEL)

Weitere Informationen unter:
http://www.troubadisc.de


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