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Das erste
"Elly Ney Trio" ca. 1916
Fritz Reitz (Cello), Willem van Hoogstraten (Violine) & Elly Ney
- Was
wir mit ganzem Herzen erstreben, was wir mit rückhaltloser Hingabe
unbeirrbar verfolgen, nur das reift eines Tages zur Wirklichkeit.
Wir müssen von unserer Vorstellung des Werkes besessen sein und
ihr alles, aber auch (alles) das Letzte opfern können, wenn sie
sich siegreich durchsetzten soll.
- Wenn
der Künstler nicht lernt, seine subjektiven, menschlichen Wünsche
zu überwinden, und das Kunstwerk objektiv, rein geistig zu betrachten,
kann seine künstlerische Darbietung niemals das Ursprüngliche
einer echten Schöpfung wiedergeben.
- Was
bedeutet Musikkultur, was bedeutet Musikbegabung, wenn der bewegende
Impuls, der zu Leistungen führt, nicht vom geistigen Ursprung
herfließt.
- Ist
die rhythmische Kraft, durch welche die Musik erst ihr Leben äußert,
schwach oder gar nicht vorhanden, dann fehlt das Wesentliche. Das
rechte Zeitmaß zu erfassen ist eine schöpferische Gabe,
und kein Metronom kann sie ersetzen. Wird der Rhythmus in der Musik
verletzt, dann entstehen Verzerrungen, Unordnung - Chaos. Ein feinfühliges
Gehör ist von Herz und Pulsschlag nicht zu trennen und wird von
hieraus das Gesetz des Lebendigen mit dem Rhythmus der Musik in Einklang
bringen.
- Wenn
auch ein stark entwickelter Klangsinn in unaufhörlichem Streben
sich bemüht, durch stete Verfeinerungen des äusseren Hörens
letzte Möglichkeiten an Klangwirkungen aus einem Musikwerk herauszuholen,
so kann eine solche Darbietung doch niemals an die Klangerlebnisse
heranreichen, die in intuitiver Schau einer echten Musikantenseele
im Augenblick der Inspiration zu Verfügung stehen.
- Wenn
Erlebnisse in Musikhörenden entstehen, so geschieht es, weil
der innerste Kern des Musikwerks nicht nur vom Vortragenden erahnt,
sondern auch durch die Erlebniskraft des Empfangenen lebendig wird.
- Musik
ist viel mehr als ein sinnliches Ereignis für die Ohren. Mit
den Ohren allein zu hören, genügt nicht. Es gilt, den tieferen
Sinn der Musikwerke zu erfassen, ihn zu erkennen und aufzunehmen.
Ein ganzes Leben gehört dazu, und die Fähigkeit,
alles, was in der Musik gesagt wird, im Leben selbst zu sehen und
diese Werte auch in anderen Künsten zu erkennen.
- Das
Wesentliche in der Musik ist unaussprechbar. Es ist Jenseits von Technik,
Tonkultur, Präzision, Tempo und Dynamik. Obgleich dies alles
wichtige Faktoren sind, so dürfen sie nur als Mittel zum Zweck
dienen. Der Zweck aber ist der Sinn, d.h. der Geist, der dahinter
steckt und offenbart werden muß. Wenn das Herz Kraft hat, so
wird es mit Geist und Seele ein Ganzes formen.
- Aus
Gedanken allein kann das Musikwerk nicht geschaffen werden, denn aus
ihnen entsteht nur das Greifbare. Das Ewige aber ist nicht greifbar,
es kann nur aus den Tiefen des Geistes hervorgehen.
- Da Kultur
ein Zustand des Charakters, des Herzens, der Seele, des Geistes ist,
kann eine Melodie unserer Meister mehr bedeuten als uns Wissen zu
vermitteln imstande ist.
- Die
Lebens- und Liebeskraft gibt einer echten Kunstäußerung
das Allgemeingültige und das Lebendige.
-
Egoistische
Interessen und Ziele verhindern das wahre, reine Kunstschaffen.
- Wer
mit seiner musikalischen Darstellung auf äußere Wirkungen
aus ist, kann den geistigen Gedanken nicht übermitteln. Wer vom
Dienst am Werk erfüllt ist, kommt gar nicht dazu, an die äußere
Wirkung zu denken.
- So wie
bei der bildenden Kunst der Schauende und bei der Dichtkunst der Lesende,
so muß bei der Musik der Hörende die Erlebnisfähigkeit
in sich haben. Dann erst kann der tiefere Gehalt des Kunstwerkes sich
voll auswirken.
- Liebe
Musikanten! Sagt doch den Menschen, daß sie nicht so anspruchslos
sein sollen, indem sie nur das Äußere und Flüchtige
einer Kunst genießen! Es ist immer möglich - früher
oder später -, daß sie Zugang zu dieser Welt bekommen.
Dann haben sie eine unerwartete, unentbehrliche Kraftquelle gefunden,
die ihnen niemand nehmen kann.
- Wir
Musiker sollten uns darüber im klaren sein, daß in den
Tiefen des menschlichen Herzens die Sehnsucht nach dem Guten und Edlen
vorhanden ist, und daß wir nur die Aufgabe haben, diese wertvollen
Keime zu nähren und zu stärken, damit die Entscheidungskraft
immer mehr wachse. Wir sollten gemeinsam dahin wirken, daß die
Fähigkeit zur Aufnahme des Guten erhalten bleibt und sich immer
mehr entwickelt.
-
Es
ist die vornehmste Aufgabe des Künstlers, den Menschen zu helfen,
die großen Meister lieben zu lernen, Ihre Seelen zu füllen
mit den edlen Gaben, mit ihrer Kraft, mit ihrer Ruhe, mit ihrer
Innigkeit, ihrer Gemütstiefe, ihrer Energie und ihrer inneren
Wahrhaftigkeit.
- Der
Künstler setzte sich auch bei der Arbeit mit Inbrunst und Hingabe
in Beziehung zu dem Sinn des Werkes. Er sei wachsam, damit dieser
durch die Ausfeilung der Technik, also durch die Beschäftigung
mit der Materie, nicht verloren gehe, so daß am Ende das wahre
Kunstwerk, seine echte Gestalt dargeboten werde.
- Wer
als Künstler gleichgültig bleibt, wenn falsche Kunst, minderwertige
oder gar schädliche Erzeugnisse der Gemeinschaft nahegebracht
werden, wer den mühevollen Kampf gegen den Irrtum aus Bequemlichkeit
scheut oder einem geruhsamen Leben opfert, ist sich nicht der Verantwortung
bewußt, zu welcher ihn sein Talent verpflichtet. Es ist hauptsächlich
das egoistische Befangensein in sich selbst, das das kritische Unterscheidungsvermögen
trübt und ein Verschweigen aus Rücksicht oder Schwäche
erzeugt, ein Zurückdämmen echter Werte zugunsten falscher.
- Goethe:
"Es ist notwendig, die Wahrheit zu sagen, da auch der Irrtum
immer wieder gepredigt wird."
- Beim
kleinsten Kind muß mit der Erziehung zur Kultur begonnen werden.
Wenn eine verantwortungsvolle Umgebung wachsam Sorge trägt, daß
alles, was das Kind hört, beobachtet, gut ist, so wächst
es ganz von selbst in eine Kultur hinein, die ihm bald ermöglicht,
eine weitere Erfahrungswelt in sich aufzunehmen, und die Seele aufzuschließen
für die wahren Werte des Lebens. Das Unterscheidungsvermögen
entwickelt sich dann ganz natürlich. Alles angelernte Wissen
und die Technik erhalten erst Wert durch diese erfahrungsmäßigen
Erlebnisse, durch die Gemütskräfte, die vom Herzen her gesteuert
werden.
- Beethoven
mit immer leidenschaftlicherer Hingabe erfühlen, ihn erkennen,
erfassen lernen, heißt: Sein eigenes Selbst in immer höherem
Streben zu entwickeln. Beethoven hilft uns, den Mut unantastbar zu
erhalten. Seine Musik verkündet das Gesetz des ringenden Menschen.
- Erschütternde
Gemütstiefe und unstillbare Wehmut verkünden die Werke Robert
Schumanns. Um das leidgeprüfte Herz Robert Schumanns nachempfinden
zu können, müssen Liebe und Beziehung zur heute viel geschmähten
Romantik vorhanden sein. Immer aber ist der Verzicht auf sentimentale
Gefühlsäußerungen Voraussetzung.
Willem van
Hoogstraten, Elly Ney, Tochter Eleonore
und die Enkelkinder
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